Archiv der Kategorie: Lateinamerika

Casa Común: für eine prophetische Ökumene von unten!

Eine Ökumene von unten, die entschieden global für Frieden, den Schutz der Schöpfung und Gerechtigkeit eintritt, ist in dieser Zeiten wieder drängender denn je. Deshalb wird es aus Anlass der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die erstmalig in Karlsruhe stattfinden wird, eine Casa Común geben: Ein gemeinsames Haus der Basisökumene in Karlsruhe vom 1. bis 7. September 2022. Dort soll anhand von Themenbereichen wie Feminismus, Migration, Klimagerechtigkeit, Ökonomie und Digitalisierung, Globalisierungskritik und Kirchenreform die Perspektive auf soziale Kämpfe weltweit gelenkt und diskutiert werden, wie eine Basisökumene diese unterstützen kann.

Das Programm ist sehr umfangreich und wir möchten hiermit gerne dazu einladen, nach Karlsruhe zu kommen und sich zu beteiligen. Infos zum Programm und zur Teilnahme gibt es auf der Homepage der Casa Común.

Wir möchten schon vorab auf ein paar Veranstaltungen aufmerksam machen, an denen das ITP beteiligt sein wird:

Casa Común: für eine prophetische Ökumene von unten! weiterlesen

Chile #apruebo

Am 4. September 2022 stimmt Chile über eine neue Verfassung ab. Das ITP wird diesen Prozess aufmerksam begleiten

Beitrag von Barbara Imholz (ITP)

Mit Spannung blicken wir nach Chile, wo am 4. September 2022 die Abstimmung über die neue Verfassung stattfinden wird. Warum ist eine Verfassung für einen Politik- und Systemwechsel in Chile wichtig? Ein einmaliger Vorgang und ein cleverer Schachzug der Chicago Boys nach dem Militärputsch 1973 war es, ein neoliberales Wirtschaftssystem bis in die kleinsten sozialen Verästelungen in das politische System einzuschreiben. Es ist darin festgelegt, dass alle Güter wie Bildung, Gesundheit und Altersversorgung, aber auch Wasser- und Stromversorgung qua Verfassung „privat“ organisiert sind. D.h. es gibt kaum politische und soziale Spielräume für Reformen oder gar einschneidende Veränderungen. Eine zentrale Forderung, für die schon 2011 die sogenannten „Pinguine“, die Schüler*innenbewegung, auf die Straße gegangen sind, war: einen sozial gerechten Zugang zu Bildung, sprich zum Schul- oder Universitätsbesuch zu bekommen. Wundert es, dass ein großer Teil der heutigen Aktivist*innen aus dieser Bewegung kommen? Bis hin zum neu gewählten und bis dato jüngsten Präsidenten der chilenischen Geschichte, Gabriel Boric, der zusammen mit Camila Vallejo, beide Mitglieder der Kommunistischen Jugend, zu Gesichtern dieser Schüler*innenbewegung wurden.Projektion auf eine Hauswand in Chile: Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren, weil die Normalität das Problem war!

Erinnern wir uns: Vorangegangen war 2019 eine Revolte auf der Straße und auf den Plätzen, „Chile despertó“ (Chile ist aufgewacht) ausgelöst durch eine Metropreiserhöhung, gegen das seit 1973 herrschende Pinochet System, seit 1990 im neoliberalen Gewand. Der damalige Präsident Piñera konnte es letztlich nicht verhindern und musste einem Plebiszit, ob es eine neue Verfassung – die zentrale Forderung der Bewegung – geben soll oder nicht, zustimmen. Die Abstimmungsergebnisse waren überwältigend. Die daraufhin folgende demokratische Entscheidung, wer diese Verfassung erarbeiten soll, geschah parallel zur Parlamentswahl 2021, zum sogenannten Verfassungskonvent und stellte eine allgemeine Überraschung dar, weil erstens die Abstimmungsbeteiligung im Gegensatz zur Parlamentswahl sehr hoch war und zum anderen, weil unbekannte Gruppierungen der sozialen Bewegungen den klassischen politischen Vertreter*innen vorgezogen wurden. Seit 2021 arbeitet nun dieser Konvent auf Hochtouren, um sein Ergebnis am 4. September 2022 zur Abstimmung stellen zu können. Chile #apruebo weiterlesen

Pablo Richard gestorben

Quelle: https://www.religiondigital.org/america/Mes-Biblia-biblistas-Pablo-Richard_0_2379961982.html

Am 20.09. diesen Jahres verstarb der chilenische Befreiungstheologe Pablo Richard. Er war für das Institut für Theologie und Politik ein wichtiger theologischer Begleiter. Seine Forschungen zur Idolatrie, zum Götzendienst und zum fetischisierten Kapitalismus haben uns begleitet und zur diesjährigen Planung unserer Tagung „Kapitalismus als Religion“ geführt. Pablo Richard war 1971 Mitbegründer der chilenischen Bewegung der Christen für den Sozialismus und einer ihrer wichtigsten theologischen und politischen Mitglieder, 1998 nahm er an unserem Kongress „Neoliberalismus weltweit – 25 Jahre ‘Modell’ Chile (1973-1998)“ teil. Gemeinsam feierten wir damals voller Freude die Verhaftung des damaligen Diktators Pinochets in London. Am letzten Montag ist er gestorben.

Pablo – Presente!

Theorie und Praxis der Befreiung waren im Leben und Denken von Pablo Richard, der im Alter von 81 Jahren in San José, Costa Rica, starb, untrennbar miteinander verbunden.

Von Juan José Tamayo

Pablo Richard, einer der renommiertesten lateinamerikanischen Befreiungstheologen und Exegeten in Lateinamerika und weltweit, ist am Montag in San José de Costa Rica im Alter von 81 Jahren gestorben. Er hatte einen hervorragenden interdisziplinären Hintergrund, hatte Philosophie in Österreich, Theologie in Chile, Heilige Schrift am Biblischen Institut in Rom und an der Bibelschule in Jerusalem sowie Soziologie an der Sorbonne in Paris studiert, wo er 1978 mit einer Arbeit über den Tod des Christentums und die Geburt der Kirche promovierte, die seine weiteren Forschungen, seine befreienden politischen Optionen und seine kirchliche Praxis als Mitglied und Begleiter von Basisgemeinden prägte. Pablo Richard gestorben weiterlesen

Zum Tod von Luisa Toledo

Man muss kämpfend sterben, was ist sonst der Sinn…? Was ist der Sinn, sich darauf einzulassen, wenn man auf halbem Wege stehen bleibt…?“

Luisa Toledo, ein Symbol des Kampfes gegen die Militärdiktatur, starb am 6. Juli 2021 in Santiago, Chile. Nach dem Putsch von 1973 begann Luisa für das Komitee zur Förderung der Zusammenarbeit für den Frieden zu arbeiten, dem Vorgänger des Vikariats der Solidarität und besser bekannt als das Pro-Friedenskomitee, das 1974 von den chilenischen Kirchen gegründet wurde, um den Opfern der Diktatur zu helfen. Als Sekretärin eines Anwaltes des Komitees transkribierte sie Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Chile.

Foto von Gerardo Magallón (desInformémonos)

Luisa und ihre Familie gehörten zur Gemeinde Cristo Liberador in Villa Francia, wo sie mit emblematischen Priestern im Kampf gegen die Militärdiktatur zusammenkamen, wie Mariano Puga, Roberto Bolton, Pierre Dubois und Alfonso Baeza. Die Gemeinde wurde in den ersten Jahren der Diktatur eine religiöse, soziale und politische Zuflucht.

Am 29. März 1985 wurden ihre Söhne Eduardo und Rafael, 20 und 18 Jahre alt, von Carabineros getötet. Seitdem und bis heute wird jedes Jahr am 29. März der „Tag des jungen Kämpfers“ im Land mit Protesten und Demonstrationen begangen.

Dreieinhalb Jahre später, am 5. November 1988, wurden ihr Sohn Pablo und Araceli Romo in Cerro Mariposas, in Temuco, durch eine Bombenexplosion tot aufgefunden. Luisa und ihr Mann Manuel Vergara wurden zu einer der Stimmen des Widerstandes gegen die Repression der Militärdiktatur. Zum Tod von Luisa Toledo weiterlesen