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Papst Franziskus – Ein Jahr später

Am 21. April des letzten Jahres, Ostermontag, lief die Meldung rund um den Erdkreis: Papst Franziskus ist tot!

Viele, auch uns, hat dieser Tod damals mit großer Trauer erfüllt. In diesem Papst aus Lateinamerika, der immer nahe beim Volk und den Armen sein wollte, haben wir einen Verbündeten in vielen Fragen der sozialen Bewegungen und Gerechtigkeit und des Antimilitarismus erkannt. In unserem Nachruf haben wir auf die wichtigen theologischen Punkte seines Pontifikats hingewiesen, die im öffentlichen Diskurs hierzulande sehr oft unter den Tisch fallen, wohl weil weder die liberale noch die reaktionäre Theologie und Kirche sich in ihnen wiederfinden und diese Theologie von ihnen eher als störend empfunden wird.

Ein Jahr später kann man sich fragen: was bleibt von Franziskus übrig?

Sicherlich fällt auf, dass die friedensethischen Positionen sich weiter fortsetzen, quasi nahtlos. Wo Franziskus noch am Tag vor seinem Sterben zu weltweiter Abrüstung und Solidarität gemahnt hat: „Es kann keinen Frieden geben ohne echte Abrüstung! Der Anspruch eines jeden Volkes, für seine eigene Verteidigung zu sorgen, darf nicht zu einem allgemeinen Wettrüsten führen. Das Osterlicht spornt uns an, die Schranken zu überwinden, die Spaltungen hervorrufen und eine Vielzahl an politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen nach sich ziehen. Es spornt uns an, füreinander zu sorgen, die gegenseitige Solidarität zu stärken und uns für eine ganzheitliche Entwicklung aller Menschen einzusetzen.“ Papst Franziskus – Ein Jahr später weiterlesen

Neuerscheinung: Die Bedrängnis des Evangeliums

Manifest für einen egalitären Universalismus als Alternative zur kapitalistischen Globalisierung
Kollektiv Anastasis

Das französische Kollektiv Anastasis besteht seit 2022. Im Jahr 2025 veröffentlichte das Kollektiv ein kurzes Manifest mit dem Titel Urgence évangélique (Die Bedrängnis des Evangeliums), in dem es seine theologisch-politischen Positionen zur Diskussion stellt. Wir haben nun die deutschsprachige Übersetzung veröffentlicht.

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Befreiungstheologische Tagung des ITP

„Zerstörung, Unterbrechung, Erlösung – in der Welt, nicht von der Welt (Joh 17,16)“

25.-27. September 2026 

Haus Wasserburg, Vallendar (bei Koblenz) 

Eine Theologie auf der Höhe der Zeit muss Antworten suchen, wie wir in einer zerfallenden Welt von Befreiung reden können. Die Probleme liegen auf der Hand: Kriegsertüchtigung und Kriege, Klimakrise und Weltverwüstung, Wohlstandsinseln und Migrationsbewegungen. Wie können wir heute in der Welt sein, ohne uns mit dieser Welt gemein zu machen? Kein einfaches Anliegen.
Deshalb wollen wir mit Euch/Ihnen ausgehend von Impulsvorträgen in Plenumsdiskussionen und Arbeitsgruppen über folgende Fragen sprechen:
Welche Formen von Mensch-Sein kommen mit Digitalisierung und KI auf uns zu? Wenn Gesetze den Tod bringen, wie ist dann ein Leben gegen die Gesetze denkbar? Wie ist gegen Beziehungslosigkeit, Narzissmus und Einsamkeit Subjektwerdung denkbar, die den/die Andere braucht? Kann man die Welt nur denken, wenn man ein Jenseits der Welt denkt? Was wäre heute eine messianische Praxis, was ist heute Politik?
Die Tagung findet statt aus Anlass des 85. Geburtstages von Kuno Füssel und setzt inhaltlich unsere Überlegungen im Rahmen unseres Projektes zur Erneuerung der Politischen Theologie fort.
Wir freuen uns auf spannende Diskussionen und laden schon jetzt zur Anmeldung ein.

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Rundbrief 64 erschienen

In unserem neuen Rundbrief finden sich Beiträge, die schon eine Perspektive auf unsere befreiungstheologische Tagung am 25.-27. September 2026 eröffnen: Wie hängen Digitalisierung und der Verlust der gefährlichen Erinnerung zusammen? Welche Formen des apokalyptisch-messianischen ChristIn-Seins braucht die Welt? Wie steht es um das Patriarchat in der Postmoderne und was hat eine politische feministische Theologie hierbei kritisch beizutragen? Diese Fragen werden uns auch im September beschäftigen.

Zudem enthält der Rundbrief auch einen Artikel zur dramatischen Situation in Kurdistan und das westliche Vergessen der dortigen Kämpfe. 

Der Rundbrief kann gedruckt bei uns kostenlos bestellt oder hier heruntergeladen werden: ITP-Rundbrief_64

Reflexion zum V. Welttreffen der Sozialen Bewegungen (EMMP)

Abschließendes Foto der Teilnehmenden des Welttreffens im Spin Time Labs in Rom.

Am 21.-24. Oktober 2025 trafen sich VertreterInnen Sozialer Bewegungen aller Kontinente in Rom. Wie bereits bei den Welttreffen 2016 und 2021 war das Institut für Theologie und Politik aus Münster (siehe hierzu theologische Überlegungen in unserem Buch) als einzige Institution im deutschen Sprachraum beteiligt. Wir haben uns auch bei diesem Mal über die Einladung sehr gefreut. Dieses Mal waren wir vertreten durch Benedikt Kern und Julia Lis. Reflexion zum V. Welttreffen der Sozialen Bewegungen (EMMP) weiterlesen

Das digitalisierte Holocaust-Gedenken ist keine gefährliche Erinnerung

Durch das Sterben der ZeitzeugInnen des Holocaust wächst der Druck, Erinnerungen zu bewahren. Zunehmend werden digitale Formate (KI-Videos, VR, XR) genutzt, um Berichte zugänglich zu machen. Das digitalisierte Holocaust-Gedenken ist keine gefährliche Erinnerung. Jan H. Röttgers diskutiert in diesem Beitrag (zuerst erschienen in: pax christi Korrespondenz, 2/2025), wie es um das digitale Gedenken 80 Jahre nach Kriegsende bestellt ist. Seine These ist: Digitale Formen sind keine „gefährliche Erinnerung“, sie reproduzieren vielmehr eine entmaterialisierte Erinnerung, die Gerechtigkeit und Anfragen der Opfer nicht adäquat adressiert.

Der Text ist hier donwnloadbar.

Kritik an der EKD-Friedensdenkschrift

Die Ökumenische Vernetzungsinitiative Casa Comun (ÖVI), in der wir als ITP mitarbeiten, hat am 22. Januar 2026 eine deutliche Kritik der EKD-Denkschrift Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick veröffentlicht.  In der Erklärung fordern Aktive aus der ÖVI stattdessen eine christliche Friedenslogik, die kapitalistischen Ursachen von Konflikten sichtbar macht, Gerechtigkeit ins Zentrum stellt, und Abrüstung vor Sicherheitspolitik setzt. Der Text ruft zu konkreten Aktionen auf: Solidaritätspraxen wie Kirchenasyl zu entwickeln und Ungehorsam gegen die Kriegslogik zu üben.

Der Text ist hier nachlesbar:  Wortmeldung zur EKD-Friedensdenkschrift

Wenn ihr betet. Eine biblische Lektüre des Vaterunsers

 

Dick Boer hat ein Buch zum Vaterunser in unserem Verlag veröffentlicht: Wir sind gewohnt das Vaterunser als ein christliches Gebet zu lesen. Jesus war ja der erste Christ. Und seine Schüler waren selbstverständlich Christen. Das stimmt aber nicht. Jesus war ein Sohn aus dem Volke Israel. Seine Schüler waren das ebenfalls. Die einzige Heilige Schrift, die sie kannten, war die hebräische Bibel. Um das Vaterunser zu verstehen, müssen wir alle Sätze des Vaterunsers mit Hilfe der hebräischen Bibel erklären. Ohne die hebräische Bibel sind wir hilflos.

Diese Auslegung ist der Versuch einer solchen Lektüre. So wird das Vaterunser den ursprünglichen Lesern und Betern zurückgegeben. Bedeutet das nun, dass wir das Vater Unser überhaupt nicht beten dürfen? Wir dürfen. Wir sollen nur wissen, dass das Vaterunser nicht unser exklusiver Besitz ist. Nicht wir waren Sklaven, die aus dem Elend der Sklaverei erlöst wurden. Nicht wir sind wie Schafe ohne Hirten durch Judäa geirrt. Das ’nicht wir‘ soll bedacht bleiben. So erst kann und soll das Vaterunser auch von uns gebetet werden. Mit Illustrationen von Harm Dane. Wenn ihr betet. Eine biblische Lektüre des Vaterunsers weiterlesen