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Pablo Richard gestorben

Quelle: https://www.religiondigital.org/america/Mes-Biblia-biblistas-Pablo-Richard_0_2379961982.html

Am 20.09. diesen Jahres verstarb der chilenische Befreiungstheologe Pablo Richard. Er war für das Institut für Theologie und Politik ein wichtiger theologischer Begleiter. Seine Forschungen zur Idolatrie, zum Götzendienst und zum fetischisierten Kapitalismus haben uns begleitet und zur diesjährigen Planung unserer Tagung „Kapitalismus als Religion“ geführt. Pablo Richard war 1971 Mitbegründer der chilenischen Bewegung der Christen für den Sozialismus und einer ihrer wichtigsten theologischen und politischen Mitglieder, 1998 nahm er an unserem Kongress „Neoliberalismus weltweit – 25 Jahre ‘Modell’ Chile (1973-1998)“ teil. Gemeinsam feierten wir damals voller Freude die Verhaftung des damaligen Diktators Pinochets in London. Am letzten Montag ist er gestorben.

Pablo – Presente!

Theorie und Praxis der Befreiung waren im Leben und Denken von Pablo Richard, der im Alter von 81 Jahren in San José, Costa Rica, starb, untrennbar miteinander verbunden.

Von Juan José Tamayo

Pablo Richard, einer der renommiertesten lateinamerikanischen Befreiungstheologen und Exegeten in Lateinamerika und weltweit, ist am Montag in San José de Costa Rica im Alter von 81 Jahren gestorben. Er hatte einen hervorragenden interdisziplinären Hintergrund, hatte Philosophie in Österreich, Theologie in Chile, Heilige Schrift am Biblischen Institut in Rom und an der Bibelschule in Jerusalem sowie Soziologie an der Sorbonne in Paris studiert, wo er 1978 mit einer Arbeit über den Tod des Christentums und die Geburt der Kirche promovierte, die seine weiteren Forschungen, seine befreienden politischen Optionen und seine kirchliche Praxis als Mitglied und Begleiter von Basisgemeinden prägte. Pablo Richard gestorben weiterlesen

Fastenimpuls IV

Körper und Auferstehung

Befreiungstheologische Impulse für die Fastenzeit zur Vorbereitung auf Ostern 2021

In der Fastenzeit veröffentlicht das Institut für Theologie und Politik (ITP) jede Woche einen befreiungstheologischen Impuls auf der Homepage. Darin geht es mit Blick auf Ostern um das Thema Auferstehung und Körper.

In dieser Woche stellt Jan Henrik Röttgers die Frage nach der Möglichkeit der Auferstehung in der Coronakrise. Download hier: Zweiter Impuls_Fastenzeit_Jan Henrik Röttgers

#4 Auferstehung in Corona-Zeiten

Impuls von Jan Henrik Röttgers, Theologe, Kaplan in Wesel und organisiert im Arbeitskreis Pastoral am ITP

Wenn wir in der Fastenzeit den Blick auf Ostern richten, dann geht es um Auferstehung, und zwar um leibliche Auferstehung und damit verbunden um das Leben. Grade darum ist es hilfreich, in dieser Krise, in der es vielfach um Leben und Tod geht, sich vom Blick auf den Aufstand für das Leben, den Jesus gewagt hat, leiten zu lassen und daraus Punkte für die Analyse der Corona-Krise und für deren Bewältigung zu suchen. Fastenimpuls IV weiterlesen

Wer muss eigentlich abschwören? – Dimitris Koufontinas, der Staat und die Gnadenlosigkeit

Dr. Michael Ramminger

Seit über fünfzig Tagen befindet sich der 63jährige Dimitris Koufontinas in einem Hungerstreik zur Verbesserung seiner Haftbedingungen. Gegen seinen seinen Willen haben ihn die Ärzte nach einem multiplen Organversagen am 5. März am Leben gehalten.

Wer ist Dimitris Koufontinas?

Dimitris Koufontinas war Mitglied der Bewegung 17. November, die im Zusammenhang der griechischen Militärdiktatur 1975 gegründet wurde. Sie soll u.a. den CIA-Chef für Südosteuropa ermordet und mehrere Anschläge gegen US-Vertreter und griechische Politiker und Journalisten verübt haben. Im Jahr 2002 hatte sich Dimitri Koufontinas der griechischen Justiz gestellt und politische Verantwortung für die Handlungen der Gruppe übernommen. So, wie viele andere politische Gefangene aber hat er immer Aussagen, die MitgenossInnen belastet hätten, verweigert und auch seiner politischen Einstellung nie abgeschworen. Wer muss eigentlich abschwören? – Dimitris Koufontinas, der Staat und die Gnadenlosigkeit weiterlesen

Fastenimpuls III

Fastenzeit 3

In diesem dritten Impuls zur Fastenzeit macht Kuno Füssel anhand der Methode der materialistischen Bibellektüre eine Auslegung von Mk 9,1-10: Die Gegenwart der Zukunft des Menschensohnes Jesus-Messias.
Der Text kann  hier  heruntergeladen werden.

Die Gegenwart der Zukunft des Menschensohnes Jesus-Messias

A) Wenn man die strukturalistische Methode der Textbearbeitung anwendet, wie wir sie seit über 40 Jahren bei CfS, Betriebsseelsorge, KAB und mit vielen anderen Gruppierungen praktizieren, dann lässt sich ein erstaunliches Ergebnis ermitteln:

Der Text Mk 9,1-9 ist genau die Mitte des Markusevangeliums, wenn wir uns an den Weg Jesu und seiner Jüngerschaft, der ausgeht von Galiläa (Mk 1,16) und gemäß der Botschaft des Engels (Mk 16,8) wieder nach Galiläa zurückführt, als das entscheidende Strukturmerkmal halten. Der Berg der Verwandlung liegt genau in der Mitte. Dabei nehmen wir den Vers 1, im Unterschied zum Lektionar, mit dazu, zählen aber Vers 10 als einen an die Szene anknüpfenden und ihre fundamentale Aussage kommentierenden Vers des Erzählers zum nachfolgenden Gespräch mit Jesus über Elija. Die Aussagen von Vers 1: “Die ihr hier steht, ihr werdet den Tod nicht schmecken..“ und von Vers 9b: „Wenn der Menschensohn von den Toten auferstanden ist…“ bilden dabei die thematische Rahmung der Szene auf dem Berg der Verwandlung, nicht Verklärung, denn im Text steht die Vokabel „Metamorphose“ Relativ hilflos wirkt der Hinweis im „Stuttgarter NT“ (S.89), dass Markus hier ein Trostwort für die über die vorangegangene Leidensankündigung ( vgl. 8.31-33) schockierten Jünger eingefügt habe. Wahrscheinlich wird Vers 1 deshalb auch beim Sonntagsevangelium weggelassen. Das hier Gesagte kann man aber alles nur erkennen, wenn man den Text nicht isoliert als Perikope, also herausgeschnitten aus dem Textganzen, vorliest, wie das im Gottesdienst geschieht, sondern als Teil des Ganzen sieht und behandelt.  Fastenimpuls III weiterlesen

Fastenimpuls II

Die Aussatz-Thora und die Heilung eines Aussätzigen bei Markus

 

In beiden Texten geht es um das Phänomen des Aussatzes, der in der Antike und damit auch in Israel zu den gefürchteten und seuchenartig sich ausbreitenden Krankheiten gehörte. Beim näheren Durchsehen der biblischen und auch der außerbiblischen Texte wird sichtbar, dass „Aussatz“ ein Sammelbegriff ist, mit dem, medizinisch eher unscharf, ein ganzes Spektrum von Hautkrankheiten bezeichnet wird, die von der Lepra bis zu verschiedenen Formen von Hautausschlag und der Schuppenflechte reichen. Fastenimpuls II weiterlesen

Fastenimpuls I

In der Fastenzeit veröffentlicht das Institut für Theologie und Politik hier jede Woche einen befreiungstheologischen Impuls.

In diesem ersten Impuls geht es mit Blick auf Ostern um das Thema Auferstehung und Körper. Bei unserem ersten Vorschlag handelt es sich um eine Re-Lektüre von Mk 16,1-8: „Wir leben den Moment einer Zeit ohne Körper. Ohne Körperkontakt. Wonach sehnen wir uns? Als Menschen sind wir auf die Andere/den Anderen verwiesen.
Sie machen erst unser Menschsein aus. Schauen wir zurück und vergewissern wir uns unserer Wurzeln in der Heiligen Schrift.

Hier zum Download klicken

 

Online-Seminar des AK ReligionslehrerInnen am ITP zu „Klimakrise, Flucht, Corona, Hunger… und die Technik soll es lösen“ am 27. Februar um 11-13 Uhr

Zunehmend werden uns im digitalen Kapitalismus die Probleme der Welt und unseres Lebens technologisch präsentiert und entsprechend als technisch zu lösen. Man nehme die richtigen Algorithmen, den passenden Impfstoff, das E-Auto usw. Solutionismus als umfassende Problemlösung! Die mangelnde Konnektivität, d.h. Vernetzungsfähigkeit der Menschen qua Internet, wird als zentrales Hindernis gesehen, das es zu überwinden gilt. Die Vernetzung des gesamten Lebens und der Welt ist daher in dieser Betrachtung ein wichtiges Ziel und am Horizont erscheint der Transhumanismus als neue Religion. Technik und Mensch werden in diesem Denken miteinander verschmolzen und Bildung soll ihren Beitrag zur Produktion dieses neuen Subjektes leisten. Wo bleibt der Mensch? 100 Jahre nach Walter Benjamins Text „Kapitalismus als Religion“ ist diese Religion vielleicht digital geworden. In unserem Online-Seminar am Samstag 27.02.21 von 11-13 Uhr wollen wir uns mit dieser Problematik auseinandersetzen. Anmeldungen bitte bis zum 24.02.21 an r.koschick[ät]gmx.de; der Link wird dann zugesandt.

Online-Podiumsdiskussion: „Corona und Kirche – Prophetische Praxis in der Krise“ am 23. Februar um 19-21 Uhr

Als im März 2020 im Zuge der Corona-Pandemie das gesellschaftliche und öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand kam, stellte sich für die gesellschaftlichen AkteurInnen plötzlich die Frage der Relevanz des eigenen Tuns mit neuer Dramatik. Die Bilanz, was Kirchen, Glaube und Religion angeht, fiel dabei mehr als ernüchternd aus: Kaum jemand sprach ihnen eine besondere Bedeutung zu, kaum jemand schien sie zu vermissen, als sich die Kirchen in den digitalen Raum verabschiedeten. Online-Podiumsdiskussion: „Corona und Kirche – Prophetische Praxis in der Krise“ am 23. Februar um 19-21 Uhr weiterlesen

Herzlichen Glückwunsch, Franz !

Franz Hinkelammert, ein „ausgewanderter Deutscher“, 1931 im münsterländischen Emsdetten geboren, ist Wirtschaftswissenschaftler und Theologe, Europäer und Lateinamerikaner, weil seit 1963 in Lateinamerika lebend. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. Franz Hinkelammert ist für uns einer der bedeutsamsten Denker: Philosoph, Wirtschaftswissenschaftler und Theologe. Lateinamerikaner und Europäer.

Seine zweifache „Doppelexistenz“ macht ihn fähig, Plausibilitäten aufzubrechen, die in Europa das Denken häufig unerkannt beherrschen und damit beschränken. Hinkelammert hat seine gründliche Ausbildung aus Deutschland auf den lateinamerikanischen Kontinent mitgenommen, aber hier sein gesamtes Begriffsarsenal umgebrochen: „In diesem Ambiente mit seinem völlig anderen Kontext hatte ich meine gesamte Begrifflichkeit zu überarbeiten und konnte das in dem beeindruckenden vitalen intellektuellen Klima von Chile tun. Hier durchlief ich wirklich eine neue Ausbildung, für die alle vorangegangenen Abschnitte nur Vorstufen waren. Und die Überarbeitung aller Begriffe und Vorstellungen, die ich von der akademischen Bildung mitgebracht hatte, zog natürlich auch die völlige Veränderung der Perspektive nach sich.

Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen in spanischer Sprache sind viele Arbeiten inzwischen auch in deutscher Sprache zugänglich. Einige Titel seien hier nur genannt: „Die Radikalisierung der Christdemokraten“ – „Der Glaube Abrahams und der Ödipus des Westens“ – „Das Subjekt und das Gesetz“ – „Die ideologischen Waffen des Todes“ – „Kritik der utopischen Vernunft“ – „Götze Markt“. Die Titelauswahl lässt bereits darauf schließen, dass Franz Hinkel­ammert die im deutschen Sprach- und Denkraum aufgerichteten Grenzzäune zwischen den Fachdisziplinen Ökonomie, Theologie und Philosophie entschieden überschreitet. Er praktiziert ein Denken, das sich nicht interdisziplinär versteht, sondern die Disziplinen selbst in Frage stellt. Ironisch fragt er: „Ist Platon nur ein Philosoph? Ist Aristoteles nur ein Philosoph? Sind Augustinus oder Thomas von Aquin nur Theologen? Keiner von ihnen war Philosoph oder Theologe im Sinne der heutigen Disziplinen. Platon entwickelte die erste Theorie zur gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Er war der erste, der ein Gemeinwesen entwarf. Was betreibt er da: Soziologie, Ökonomie oder Philosophie? In der griechischen Kultur war die Philosophie keine Disziplin, sondern bezeichnete die Liebe zur Weisheit. Dieses Verständnis brauchen wir heute wieder. Man darf sich nicht an den Disziplinen orientieren, wenn man über die Realität nachdenken will. Ich glaube, wenn man von den Problemen aus zu denken beginnt, dann lösen sich die Disziplinen in Luft auf. Denn man kann ein Problem nicht wirklich durchdenken, wenn man es nicht unter ökonomischen, politischen, gesellschaftlichen, theologischen und weiteren Aspekten zugleich reflektiert. Aber das hat nichts damit zu tun, dass man Experte in all den Disziplinen sein muss, die sich jeweils spezifisch mit Teilaspekten der Realität befassen. Das scheint mir die Herausforderung an das heutige Denken zu sein.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts für Theologie und Politik in Münster gratulieren anlässlich des 90. Geburtstages von Franz Hinkelammert. Franz hat das Institut für Theologie und Politik seit Beginn an begleitet. Wir danken ihm dafür, dass er die Anstrengung des Denkens durch seine Kreativität beflügelt, den Widerstand gegen die Diktatur der Alternativlosigkeit durch die Suche nach Alternativen hartnäckiger gemacht und geholfen hat, die Hoffnung nicht auf Illusionen zu stützen.

Norbert Arntz und das Team

Im Verlag ITP-Kompass von ihm erschienen:

Franz J. Hinkelammert/Urs Eigenmann/Kuno Füssel/Michael Ramminger
Die Kritik der Religion
Der Kampf für das Diesseits der Wahrheit
Edition-ITP-Kompass Bd. 21 Münster 2017
168 Seiten, 15,80 €

Franz J. Hinkelammert
Das Subjekt und das Gesetz
Die Wiederkehr des verdrängten Subjekts
Edition ITP-Kompass Bd. 7, Münster 2007
456 Seiten, 24,80 €

Norbert Arntz (Hg.)
Befreiung denken. Grenzgänge zwischen Kontinenten und Wissenschaften.
Biografische Notizen anläßlich des 80. Geburtstages von Franz J. Hinkelammert
Edition ITP-Kompass, Münster/ Luzern 2011,
176 S., 12,80 €

Bestellungen über: buecher[at]itpol.de

Zwei Vorschläge für Hausgottesdienste zu Weihnachten 2020

Die Corona-Pandemie in diesem Jahr wirbelt alles durcheinander: auch Weihnachten. Schon seit Monaten beschäftigen sich Presse und Politik damit, wie wir nun Weihnachten feiern sollen und dürfen. Mit unseren Vorschlägen wollen wir vom Institut für Theologie und Politik (ITP) und dem Arbeitskreis Pastoral am ITP dazu einen anderen Akzent setzen und fragen, wie wir denn eigentlich Weihnachten feiern wollen: als ChristInnen, die sich der Tradition einer Kirche der Armen, einer Basiskirche von unten verpflichtet wissen, in diesem Corona-Jahr und generell. Diese Frage beschäftigt uns auch deshalb, weil es uns notwendig erscheint, in Gemeinschaften und Gruppen zusammenzukommen, sich zu bestärken in unserer Hoffnung auf einen möglichen Neubeginn, auf das Kommen einer anderen befreienden Zukunft. Ein Weiter-So kann es angesichts der Verwüstung unserer Welt, angesichts der sozialen und ökologischen Katastrophen die wir erleben, nicht geben.

Weihnachten ist ein Gegenentwurf zum Bestehenden, denn an Weihnachten wird im Kind in der Krippe die „Macht von unten“ deutlich, die wirklich befreiend wirkt und das Bestehende fundamental infrage stellt.

Das wollen wir feiern und das können wir, auch jenseits von liturgischem Pomp, klerikalen VorsteherInnen und großen Kirchengebäuden. In kleinen Gruppen, ohne „Liturgie-Profis“ zu sein, mit den Menschen, mit denen wir unsere Sorge um die Zukunft dieser Welt und unsere Arbeit am Reich Gottes teilen. Corona nötigt uns, andere Formen des ChristIn-Seins anzunehmen. In der Krise müssen wir deshalb neue Formen des Zusammenlebens finden und können so vielleicht den engen Rahmen des Familienfestes aufsprengen mit einer Feier des erhofften guten Lebens für alle!

Wir stellen hier zwei Vorschläge für Gottesdienste mit kleinen Gruppen zu Weihnachten zum Download zur Verfügung. Ein Gottesdienst steht unter dem Thema „Ich sah die Erde an und siehe, sie war Tohuwabohu.“ (Jer. 4,23) und ein weiterer unter: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht“ (Jes 9,1)

Ich sah die Erde an und siehe_Gottesdienst zu Weihnachten 2020

Das Volk sah ein helles Licht Gottesdienst zu Weihnachten 2020