50 Jahre Befreiungstheologie – das erste internationale Treffen der ChristInnen für den Sozialismus in Chile

Online-Veranstaltung am Mittwoch, 18.05.2022 um 19:00-20:30 Uhr
In den letzten Monaten wurde viel über das vor 50 Jahren erschienene Buch von Gustavo Gutiérrez, „Theologie der Befreiung“ gesprochen. Aber vor fast genau 50 Jahren, im April 1972, fand in Santiago de Chile auch das erste internationale Treffen der ChristInnen für den Sozialismus statt. Über 400 Delegierte aus allen Ländern Lateinamerikas trafen sich damals, um die Herausforderungen eines Christentums, einer Kirche an der Seite der Unterdrückten zu diskutieren. Es war eine Befreiungstheologie mit tiefem politischen Engagement, mit internationalistischem Anspruch, mit der Bereitschaft mit der eigenen Theologie, dem eigenen Leben zu brechen, über die sich nach wie vor zu sprechen lohnt.
Mit unserer Zoom-Veranstaltung möchten wir an dieses Schlüsselereignis der Entstehung der Befreiungstheologie erinnern und die Frage stellen: Wie können wir auch heute zu einer so positionierten Theologie kommen?
Es referieren: Michael Ramminger und Pilar Puertas (beide ITP).
Zugangslink: https://us02web.zoom.us/j/82128487237

Brot und Gesetze brechen

Christlicher Antimilitarismus. Wie kann der Krieg beendet werden?

Vortrag und Diskussion mit Jakob Frühmann und Cristina Yurena Zerr, Autor*innen des Buches Brot und Gesetze brechen (Wien 2021).

Mittwoch, 11. Mai 2022

19:00 Uhr, Pfarrheim Überwasser, Katthagen 2, Münster

Besetzung eines Bunkers auf dem Militärstützpunkt Büchel.

Krieg ist wieder ein Mittel geworden, um eine Neuordnung der Welt voranzutreiben: Militärausgaben sind global exorbitant und die nukleare Aufrüstung erreicht neue Dimensionen – nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine.

Umso wichtiger ist es, einen Animilitarismus sichtbar zu machen und einige jener zu porträtieren und zu Wort kommen zu lassen, die seit
Jahren konsequent für Abrüstung eintreten: Ordensschwestern, Großmütter, Priester oder Postangestellte brechen in Militärbasen ein, um gegen dort stationierte Atombomben zu protestieren. Die Pflugscharbewegung wurde zum Symbol radikaler Praxis von antimilitaristischen Christ*innen. So etwa im deutschen Büchel, wo US-Atomwaffen gelagert werden, oder in Kings Bay (USA), einer Basis für U-Boote mit nuklearen Sprengköpfen. An beiden Orten fanden 2018 Einbrüche statt, um mittels zivilem Ungehorsam gegen die Gewalt und Autorität des Staates Widerstand zu leisten – die Konsequenz waren Prozesse und mehrjährige Haftstrafen.

Jakob Frühmann und Cristina Yurena Zerr aus Wien haben 2021 das Buch Brot und Gesetze brechen veröffentlicht, das die bemerkenswerten Plädoyers der angeklagten Aktivist*innen wiedergibt und die Frage von Abrüstung von unten, die Geschichte christlich-antimilitaristischen Widerstands und blinde Flecken in linken Bewegungen thematisiert. Es liefert in Zeiten zunehmender Aufrüstung Impulse für eine neue Friedensbewegung fernab bürgerlicher Religiosität – und für jene, die in Distanz zum Christlichen stehen, überraschende, motivierende Zugänge.

Die beiden Autor*innen stellen diese antimilitaristische Praxis vor. Die wir auf dem Hintergrund der gegenwärtigen Kriegssituation kommentieren und diskutieren möchten.

Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung vom Institut für Theologie und Politik und Pax Christi Münster.

Veranstaltungsort: Pfarrheim Überwasser, Katthagen 2, Münster

(Bushaltestelle Kuhviertel, Parkplätze auf dem Schlossplatz mit 200 m Fußweg)

ITP-Rundbrief Nr. 56 erschienen

Unser neuer Rundbrief Nr. 56 ist erschienen mit Artikeln zu folgenden befreiungstheologischen Themen:

  • Dialektik der Modernisierung. Kommentar zum Synodalen Weg
  • Die Casa Común als Ort einer Ökumene der Bewegungen. Kirchen und Soziale Bewegungen
  • Ein neues Christentum, eine neue Theologie. 50 Jahre Treffen der jungen Befreiungstheologie
  • Linkswende in Lateinamerika? Zum Konjunkturwechsel in der lateinamerikanischen Politik

Er ist hier downloadbar: Rundbrief 56

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Frieden schaffen mit immer mehr Waffen?

Michael Ramminger

Auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im fränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein hat die deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag, den 10.03.22 erklärt, dass mit dem Ukraine-Krieg die regelbasierte Ordnung in Europa aufgekündigt und Europa damit auf den Weg einer ungewissen Zukunft geschickt worden sei. Wörtlich erklärten sie: „Alle spüren: Die Invasion in die Ukraine ist auch ein Angriff auf Europa und seine Werte.“

Der meistzitierteste Satz in der bundesdeutschen Öffentlichkeit ist dann dieser: „Rüstungslieferungen an die Ukraine, die dazu dienen, dass das angegriffene Land sein völkerrechtlich verbrieftes und auch von der kirchlichen Friedensethik bejahtes Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen kann, halten wir deshalb für grundsätzlich legitim.“ (Der Aggression widerstehen. Den Frieden gewinnen. Die Opfer unterstützen. Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zum Krieg in der Ukraine) Frieden schaffen mit immer mehr Waffen? weiterlesen

Ton Veerkamp – Lehrer im Lehrhaus

Am 28. Februar 2022 ist unser Freund, unser Lehrer gestorben. Wir trauern um einen Weggefährten, dessen Sprachkraft, dessen Standfestigkeit in Auseinandersetzungen, dessen inspirierende Kraft uns fehlen wird.

Klarheit und Verständlichkeit

1993 veröffentlichte Ton einen Aufsatz in der christlich-links-alternativen Zeitschrift „Kreuz und Quer“, überschrieben: „Was steht in diesem Buch?“. In diesem Text erklärt er einer chinesischen Musikstudentin, was der Inhalt seines gerade erschienenen Buches „Autonomie und Egalität“ als Auslegung der Bibel bedeute. Ton Veerkamp – Lehrer im Lehrhaus weiterlesen

Krieg in der Ukraine

Am 6. März 2022  erschien auf katholisch.de ein Kommentar des Salzburger Dogmatikers Hans-Joachim Sander zum – nach seiner Überzeugung uneindeutigen – Verhalten von Papst Franziskus zum Ukraine-Krieg: Jede Person und jede Nation, jede Gesellschaft und jede Organisation, jeder Staat und auch jede verfasste Religion werden dadurch gefragt, wo sie jeweils stehen: auf der Seite autoritärer Macht und ihrer korrupten Bereitschaft zur Gewalt – oder dagegen.“

Das hört sich erstmal überzeugend an. Entpuppt sich aber als ein Freund-Feind-Denken, das in dieser Situation des Krieges Öl ins Feuer gießt. Deshalb hier eine Replik von Michael Ramminger auf diesen Kommentar Sanders‘.

Krieg

Das war ein Krieg mit Ansage. Und ich ertrage die Krokodilstränen über das Leiden „einer Nation, die um ihre Chance auf Demokratie und um humane Teilhabe an einem friedlichen Europa, das sie kulturell, wirtschaftlich, politisch weiterbringt“1 nicht. Worüber sollen wir reden bei diesem Krieg: Darüber, dass dem ehemaligen us-amerikanischen Außenminister Henry Kissinger (den man aus guten Gründen nicht mögen muss) schon 2014 klar war, dass sich das „Abdriften in Richtung Konfrontation beschleunigen wird, und die Zeit früh genug kommen wird …“. Krieg in der Ukraine weiterlesen

Befreiungstheologisches Seminar in 2 Teilen: Einführung in die materialistische Bibellektüre

So kennen wir die Bibel nicht. Kontinuität und Aktualität eines Perspektivenwechsels bei der Lektüre der Bibel. Mit Kuno Füssel

Durch die materialistische Bibellektüre wurde eine neue Aneignung biblischer Texte geschaffen, wobei vermeintliche Plausibilitäten der traditionellen Exegese hinterfragt werden. Dieser von Fernando Belo und Michel Clèvenot im intellektuellen und kulturellen Milieu des Paris der späten 1960er Jahre entwickelte Zugang zur Bibel wurde von Kuno Füssel in den 1980er Jahren durch Übersetzungen bei uns bekannt gemacht und dann durch eigene Beiträge von ihm weiterentwickelt.

 

Seminartag 1) So kennen wir die Bibel nicht. Kontinuität und Aktualität eines Perspektivenwechsels bei der Lektüre der Bibel

Samstag, den 2. April 2022, 10.00h bis 18.00h im ITP Befreiungstheologisches Seminar in 2 Teilen: Einführung in die materialistische Bibellektüre weiterlesen

Benjamin und die Hexe

Feministische Geschichte und Fortschrittskritik – Walter Benjamin und Silvia Federici

Seminar am Samstag, 12. März 2022, 10.00 – 18.00 Uhr/ Sonntag, 13. März 2022, 10.00 bis 13.00 Uhr

im Institut für Theologie und Politik, Friedrich-Ebert-Str. 7, 48153 Münster

Das Staunen darüber, daß die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten Jahrhundert „noch“ möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, daß die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.“ (Benjamin 2015: 84, achte These)

Auch im einundzwanzigsten Jahrhundert staunen wir noch, ob der Geschehnisse, die (uns) passieren. Pandemie, Erstarken der Rechten, Klimakrise, Feminizide… wie ist das möglich, obwohl wir es doch besser wissen müssten?
Kapitalismus und Patriarchat lauten die einschlägigen Antworten. Mit Benjamin lässt sich die Frage noch anders beantworten: Geschichte und Fortschritt ermöglichen diese Katastrophen. Was genau meint er damit? Und was hat das mit materialistischem Feminismus zu tun?

„Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen ‚wie es denn eigentlich gewesen ist‘. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt“, schreibt Benjamin in den geschichtsphilosophischen Thesen. (Benjamin 2015: 81, sechste These)

Silvia Federici macht genau das, in ihrer Geschichte der Hexenverbrennungen. Sie schreibt nicht „wie es denn eigentlich gewesen ist“, sondern wie sie die Hexen und die Jagd auf sie erinnert: Benjamin und die Hexe weiterlesen

Hearings Sozialer Bewegungen vor der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen

Bei der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) werden im September 2022 in Karlsruhe Delegierte und internationale Gäste unter dem Thema „Die Liebe Christi bewegt die Welt zu Versöhnung und Einheit“ zusammenkommen. Angesichts des Zustands der Welt und auch der Kirchen werden wir mit anderen Basisinitiativen diese Gelegenheit nutzen, unser Verständnis von Frieden und Gerechtigkeit an dieses Treffen heranzutragen. Hierfür soll es das basis-ökumenische Zentrum Casa Común in Karlsruhe geben.
Aus unserer Sicht erscheint es sehr wichtig, Gespräch mit den sozialen Bewegungen weltweit zu suchen, die schon lange an diversen gesellschaftlichen Problemkonstellationen mit großer Ernsthaftigkeit und Dissidenz zu den herrschenden Verhältnissen arbeiten, und von denen sich die meisten großkirchlichen Akteure schon längst verabschiedet haben. Auch wenn Papst Franziskus im Oktober noch zu einem Welttreffen der Sozialen Bewegungen eingeladen hatte, an dem wir vom ITP ebenfalls teilgenommen haben.
Mit Blick auf die Vollversammlung des ÖRK und die Casa Común möchten wir zwischen März und Juni 2022 neben anderen Aktionen, Veranstaltungen und Kampagnen drei Hearings mit VertreterInnen solcher sozialen Bewegungen organisieren.
Hearings Sozialer Bewegungen vor der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen weiterlesen

Seligsprechung des 1977 von Großgrundbesitzern ermordeten salvadorenischen Priesters Rutilio Grande

Rutilio Grande (1928-1977) – Kronzeuge für „die Kirche der Armen“

Rutilio Grande (1928-1977)

Endlich wird diesem Propheten der Kirche in El Salvador die kirchenamtliche Anerkennung nicht mehr verweigert. Endlich wird sein Lebenswerk anerkannt. Endlich wird ein für allemal Schluss gemacht mit dem über Jahrzehnte währenden Verleumden, Diffamieren und Totschweigen. Die Heiligsprechung durch die kleinen Leute hat sich schlussendlich durchgesetzt. Heute, am Samstag, den 22. Januar 2022, wird Rutilio Grande zusammen mit den beiden an seiner Seite ermordeten Mitarbeitern als beispielhafter Christ öffentlich anerkannt. Seligsprechung des 1977 von Großgrundbesitzern ermordeten salvadorenischen Priesters Rutilio Grande weiterlesen