Die chilenische Menschenrechtsanwältin Fabiola Letelier ist tot

Fabiola Letelier ist tot. Sie starb am Donnerstag, den 18. November 2021 im Alter von 92 Jahren. Fabiola Letelier war eine der profiliertesten Menschenrechtsanwältinnen in Chile. Schon vor der Diktatur war Fabiola Mitglied der Interamerikanischen Frauenkommission der OAS und Exekutivsekretärin der chilenischen Delegation bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung in der Dritten Welt.

1984. Quelle: https://fabiolaletelier.wordpress.com/2018/06/09/73/

Nach dem Putsch 1973 gehörte sie zu den Mitbegründern des „Comité por la paz“, der ersten Organisation, die politische Gefangene vor den Schergen des Militärs zu schützen suchte. Später gehörte sie zum engen Kreis der Verantwortlichen um CODEPU, einer weiteren Menschenrechtsorganisation, die sich – anders als die Vicaría de la Solidaridad – auch um politisch Verfolgte aus dem militanten Widerstand bemühte. Hier arbeitete sie eng mit der Ordenfrau Blanca Rengifo zusammen, die klandestin zum Zentralkomitee des MIR, der Bewegung der revolutionären Linken, gehörte. Die chilenische Menschenrechtsanwältin Fabiola Letelier ist tot weiterlesen

Theologie der Befreiung: Geschichte eines Konfliktes

50 Jahre ist es her, dass Gustavo Gutiérrez das für die lateinamerikanische Befreiungstheologie richtungsweisende Buch „Theologie der Befreiung“ veröffentlicht hat.

Dies war zwar keinesfalls die Entstehung der Befreiungstheologie, doch seit dem gibt es eine Auseinandersetzung um die „harte“ und „weiche“ Rezeption dieser Theologie, die auf die Umwälzung der Verhältnisse ausgerichtet ist. Bis heute gibt es ein Ringen um ein befreiendes Christentum, um seine Verwässerung und seinen Relevanzverlust. Dies möchten wir zum Anlass nehmen, in unserer international besetzten Online-Veranstaltung zu fragen, woher kam die Befreiungstheologie, was macht(e) sie aus und welche Wirkungsgeschichte hat sie bis heute und welche Konflikte um die Rezeption ergeben sich daraus?

Mit: Alberto Moreira (Brasilien), Maria Klemm (Schweiz), Pilar Puertas (Mexiko, ITP), Michael Ramminger (ITP), Hernan Leemrijse (Chile).

Mittwoch, 1. Dezember 2021 um 19.00-21.00 Uhr Theologie der Befreiung: Geschichte eines Konfliktes weiterlesen

Dokumentation unserer Tagung „100 Jahre Textfragment – Kapitalismus als Religion von Walter Benjamin“

Kapitalismus als Religion

Ende Oktober fand in Frankfurt unsere Tagung zu Walter Benjamins Text „Kapitalismus als Religion“ statt. Wir wollen hier die Vorträge und Beiträge in Videoform veröffentlichen. Den Beginn machen die Eröffnungsbeiträge von Michael Löwy und José Antonio Zamora.

A finales de octubre tuvo lugar en Frankfurt nuestra conferencia sobre el texto de Walter Benjamin „El capitalismo como religión“. Queremos publicar aquí las conferencias y contribuciones en forma de vídeo. Comenzamos con las aportaciones iniciales de Michael Löwy y José Antonio Zamora. (ver las versiones espanol ou aleman)

Dokumentation unserer Tagung „100 Jahre Textfragment – Kapitalismus als Religion von Walter Benjamin“ weiterlesen

ITP-Rundbrief Nr. 55

Die 55. Ausgabe unseres Rundbriefes ist erschienen mit Beiträgen u.a. zu den Themen: 50 Jahre Befreiungstheologie, prophetische Intervention für eine Ökumene von unten, zur Sozialistin und Religionspädagogin Marie Veit und zur aktuellen politischen Situation in Chile.

Der Rundbrief-55 ist hier downloadbar und kann gedruckt gerne kostenfrei bei uns bestellt werden, auch um ihn an Interessierte weiterzugeben oder ihn auszulegen in Gemeinden, an der Uni und an anderen Orten.

In der Tradition einer Benjamin’schen „Geschichte des Weiblichen“ – Silvia Federicis Hexe als Engel der Geschichte

­Artikel von Charlotte Cremer, Berlin

Walter Benjamin könnte seinerseits für uns zum Engel der Geschichte werden“, aber zu einem noch einmal erneuerten, der uns lehrt, sich aus der Starre kapitalistischer Zerstörung zu befreien“, schreiben Kuno Füssel und Michael Ramminger in ihren einleitenden Worten zum kürzlich herausgegebenen Sammelband (Füssel/Ramminger 2021:9). Auch aus feministischer Perspektive lohnt es sich, das sprengende Potenzial der benjaminschen Tradition für das Gegenwärtige zu nutzen. In der Tradition einer Benjamin’schen „Geschichte des Weiblichen“ – Silvia Federicis Hexe als Engel der Geschichte weiterlesen

VIDEOBOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS FÜR DIE VOLKSBEWEGUNGEN — ROM, 16. Oktober 2021

Am 16. Oktober hat das vierte weltweite Treffen der Volksbewegungen, bzw. sozialen Bewegungen  mit Papst Franziskus stattgefunden, an dem wir als ITP teilgenommen haben. Die Ansprache des Papstes ist hier als Video dokumentiert. Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung (Norbert Arntz) seiner Antwort auf die Fragen und Feststellungen der Bewegungen.  Er stellt sich in dieser Rede in die Linie derer, die auf der „humanistischen Suche nach einer Alternative zur kapitalistischen Globalisierung“ sind.

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Liebe Gesellschaftspoetinnen und -poeten

So möchte ich Euch ansprechen, Gesellschaftspoeten, denn Ihr seid gesellschaftliche Poetinnen und Poeten, weil Ihr die Fähigkeit und den Mut habt, Hoffnung zu wecken, wo es nur Verwerfung und Ausgrenzung gibt. Poesie bedeutet Kreativität, und Ihr belebt die Hoffnung; mit Euren Händen versteht Ihr, die Würde jedes einzelnen Menschen, die Eurer Familien und die der Gesellschaft insgesamt mit Land, Wohnung und Arbeit, mit Achtsamkeit und Gemeinsinn anzuspornen. Dafür danke ich Euch, denn Euer Engagement ist ein authentisches Wort. Es widerlegt die scheinheiligen, oft geschliffen vorgetragenen Verschleppungsversuche, denen Ihr selbst ausgesetzt wart – bzw. denen so viele unserer Geschwister ausgesetzt sind. Aber wenn ich an Euch denke, dann bin ich davon überzeugt, dass Euer Engagement vor allem ein Zeichen der Hoffnung ist. Wenn ich Euch vor Augen habe, werde ich davon überzeugt, dass wir nicht dazu verdammt sind, einer Zukunft entgegenzugehen, die weiterhin auf Ungleichheit und Ausgrenzung, auf Verwerfung oder Gleichgültigkeit fußt, einer Zukunft, in der Privilegien eine unsichtbare, unbesiegbare Macht verleihen bzw. Ausbeutung und Missbrauch übliche Methoden zum Überleben darstellen. Nein! Ihr versteht es sehr gut, darauf immer wieder hinzuweisen. Dafür sage ich Euch Dank. VIDEOBOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS FÜR DIE VOLKSBEWEGUNGEN — ROM, 16. Oktober 2021 weiterlesen

Neuerscheinung: Kuno Füssels gesammelte Schriften in sieben Bänden

Mit welchem Recht kann Theologie beanspruchen, eine Wissenschaft zu sein? Hat Religion notwendig Ideologiecharakter, oder trifft dies nur auf ihre bürgerliche Form zu? Gibt es einen eigenständigen, religiösen Sprachgebrauch? Welchem Theorietyp lässt sich Theologie zuordnen? Kann es eine produktive Annäherung zwischen Theologie und Historischem Materialismus geben?

Diese und viele weitere Fragen sind Ausgangspunkte des umfassenden Werkes in sieben Bänden zu materialistischer Bibellektüre, Religionskritik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Befreiungstheologie und Politischer Theologie, Marxismus und linker Theorie – allesamt gesammelte Texte des Theologen Kuno Füssels, herausgegeben zu seinem 80. Geburtstag. Neuerscheinung: Kuno Füssels gesammelte Schriften in sieben Bänden weiterlesen

Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung

Neuerscheinung des Arbeitskreises Politische Theologie

Das Buch kann bei uns bestellt werden.

Drohen rechte Positionen „normal“ zu werden in der Gesellschaft? Ausgangspunkt für eine Antwort ist eine sozialwissenschaftliche Analyse rechter Positionen und ihres gesellschaftlichen Kontextes. An welche Diskurse und gesellschaftlichen Entwicklungen schließen diese an? Wie tragen sie dazu bei, nationalistisch-völkische, antifeministische und antidemokratische Positionen zu etablieren? Die theologischen Reflexionen dieses Bandes sehen die Frage nach dem Umgang mit der „rechten Normalisierung“ nicht bloß als eine pragmatische, sondern als eine genuin theologische: Kann eine politische Theologie hier gegensteuern? Welche theologischen Kriterien lassen sich im Rahmen einer Theologie des Reiches Gottes gewinnen? Können sich die Kirchen als neutrale Räume der Begegnung unterschiedlicher Positionen verstehen? Wo braucht es ihre Parteilichkeit und prophetische Unterbrechungen? Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung weiterlesen

Hoffend denken lernen – Für eine emanzipatorische Bildung

Workshop am 12.-14. November 2021 

im Haus Wasserburg (Vallendar, bei Koblenz)

Während der Coronapandemie wurden viele gesellschaftliche Probleme wie durch ein Brennglas sichtbar, so auch die Krise in der Bildung. Wir möchten in unserem Workshop einen genaueren Blick auf diese Bildungskrise werfen, eine Krise, die laut breitem gesellschaftlichen Konsens durch Digitalisierung gelöst werden kann. Von welcher Bildung sprechen wir eigentlich? An diesem Wochenende wollen wir ausgehend von unterschiedlichen Konzepten einen kritischen Bildungsbegriff entwickeln. Hoffend denken lernen – Für eine emanzipatorische Bildung weiterlesen

Pablo Richard gestorben

Quelle: https://www.religiondigital.org/america/Mes-Biblia-biblistas-Pablo-Richard_0_2379961982.html

Am 20.09. diesen Jahres verstarb der chilenische Befreiungstheologe Pablo Richard. Er war für das Institut für Theologie und Politik ein wichtiger theologischer Begleiter. Seine Forschungen zur Idolatrie, zum Götzendienst und zum fetischisierten Kapitalismus haben uns begleitet und zur diesjährigen Planung unserer Tagung „Kapitalismus als Religion“ geführt. Pablo Richard war 1971 Mitbegründer der chilenischen Bewegung der Christen für den Sozialismus und einer ihrer wichtigsten theologischen und politischen Mitglieder, 1998 nahm er an unserem Kongress „Neoliberalismus weltweit – 25 Jahre ‘Modell’ Chile (1973-1998)“ teil. Gemeinsam feierten wir damals voller Freude die Verhaftung des damaligen Diktators Pinochets in London. Am letzten Montag ist er gestorben.

Pablo – Presente!

Theorie und Praxis der Befreiung waren im Leben und Denken von Pablo Richard, der im Alter von 81 Jahren in San José, Costa Rica, starb, untrennbar miteinander verbunden.

Von Juan José Tamayo

Pablo Richard, einer der renommiertesten lateinamerikanischen Befreiungstheologen und Exegeten in Lateinamerika und weltweit, ist am Montag in San José de Costa Rica im Alter von 81 Jahren gestorben. Er hatte einen hervorragenden interdisziplinären Hintergrund, hatte Philosophie in Österreich, Theologie in Chile, Heilige Schrift am Biblischen Institut in Rom und an der Bibelschule in Jerusalem sowie Soziologie an der Sorbonne in Paris studiert, wo er 1978 mit einer Arbeit über den Tod des Christentums und die Geburt der Kirche promovierte, die seine weiteren Forschungen, seine befreienden politischen Optionen und seine kirchliche Praxis als Mitglied und Begleiter von Basisgemeinden prägte. Pablo Richard gestorben weiterlesen