Archiv der Kategorie: Allgemein

Nach den Präsidentschaftswahlen vom 20. Oktober in Bolivien eskalierten Gewalt und Rassismus in mehreren Regionen des Landes, weil sich unter anderem die nationale Polizei in ihre Kasernen zurückzog. Neben Straßenkämpfen und Plünderungen bedrohten bewaffnete Gruppen führende Mitglieder der Regierungspartei und Minister und Beamte, um sie zum Rücktritt zu zwingen. weiterlesen

Der Kampf um Gerechtigkeit und Demokratie in Chile geht weiter

Bereits seit vier Wochen kommt es in Chile zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Regierung, Polizei und Militär auf der einen, und immer größeren Bevölkerungsteilen auf der anderen Seite. Die Protestierenden fordern inzwischen u.a. eine von den Menschen selbst legitimierte verfassungsgebende Versammlung und den Rücktritt des Präsidenten. Gleichzeitig kommt es zu immer mehr Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei. Der Kampf um Gerechtigkeit und Demokratie in Chile geht weiter weiterlesen

30 Jahre Ermordung Ignacio Ellacurías – das andere 1989.

Politisches Nachtgebet am 16. November um 19.30 Uhr

Am 16. November 1989 wurde der Befreiungstheologe Ignacio Ellacuría in El Salvador mit weiteren Jesuiten und ihren Mitarbeiterinnen ermordet. Ebenfalls im Herbst 1989 fiel in Berlin die Mauer und dem Siegeszug des neoliberalen Kapitalismus stand nichts mehr im Wege. In der Tradition des Politischen Nachtgebets stehend möchten wir am Samstag Abend, 16.11.2019, 19.30 Uhr, in der Münsteraner Innenstadtkirche St. Liebfrauen-Überwasser die 1989er-Ereignisse in San Salvador und das damalige Ende des real-existierenden Sozialismus vergegenwärtigen. Auf welche Hoffnungen können wir im Geiste Ellacurías heute setzen? Wie lassen sich gesellschaftliche Verhältnisse verändern, so dass sie ein Jenseits des vermeintlich alternativlosen Kapitalismus aufscheinen lassen?

Notizen und Überlegungen zum Aufstand vom Oktober 2019 in Chile

Der folgende Beitrag ist der Versuch einer Analyse dessen, was gerad in Chile gechieht. Manuel Ossa ist Theologe. Die Übersetzung seines Textes ist nicht autorisiert, Fehler gehen zu Lasten des Übersetzers und der hektischen Verhältnisse. Wir veröffentlichen aber zugleich auch die spanische Version. 

Die Fotos sind von Frente Fotográfico aus Chile, einem Kollektiv für Gegeninformation.

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Sieben Tage sind seit dem Beginn des Aufstands vergangen, der das Land verändert und bis ins Mark erschüttert hat. Die gewaltige Demonstration am Freitag den 26. – mehr als eine 1.200,000 Menschen in Santiago und vielen anderen in den Regionen – gefolgt vom freiwilligen Einsatz von Hunderten von Jugendlichen, die die Straßen reinigten, zeigt uns, dass ein neuer Geist in einem Volk weht, das in sich ein gewaltiges Lebenspotenzial entdeckt. Aber wir wollen zunächst einige Fakten in Erinnerung rufen und reflektieren, um nach einer möglichen Bedeutung zu suchen.

Das Unbehagen und die Straße

Alles begann am Montag, den 14. Oktober 2019 in Santiago mit einem massiven Protest der Gymnasiasten gegen die Verteuerung der Metrotickets um 30 Pesos. Zwei Tage lang drangen Gruppen von Schülern immer wieder in einige U-Bahn-Stationen ein, um dann die Drehkreuze zu überspringen und fast spielerisch die Ticketzahlung zu umgehen. Ihr Motto: Evadir, no pagar, otra forma de luchar“ (Umgehen, nicht bezahlen; eine andere Art zu kämpfen).

http://frentefotografico.cl/

Am dritten Tag, als die Repression der Polizei einsetzte, wurde aus dem Spiel Ernst. Der Protest von Eltern und Großeltern kam hinzu, und Gruppen von Jugendlichen schlossen sich an, bei denen sich gewaltsam Wut und Frustration, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten, entluden, Notizen und Überlegungen zum Aufstand vom Oktober 2019 in Chile weiterlesen

Klimasynode im rheinischen Braunkohlerevier

Nach und nach werden wir hier die Dokumentation unserer Klimasynode veröffentlichen.

Hier zunächst unser youtube-kanal zur Veranstaltung: https://www.youtube.com/playlist?list=PLwyMEsnJk1P325OUSJA2fGfn6LLhK8yOK

Der Eröffnungsvortrag von Dr. Sandra Lassak zum Thema: Blick nach Amazonien

Der Eröffnungsvortrag von Pilar Puertas/ Mexiko-Münster: Die  Amazonassynode  in  Rom:   Herausforderungen,  Hoffnungen,  Aufbrüche  

Die Predigt zum Thema: Klimasynode Predigt Cordula Ackermann

Das Schreiben an Papst Franziskus: Schreiben an Papst Franziskus und auf spanisch

+++Pressemitteilung des Instituts für Theologie und Politik vom 28.10.2019+++

Katakombenpakt von Bischöfen erneuert Amazonassynode in Rom geht mit einem Bekenntnis zur Ökologie und sozialer Gerechtigkeit zu Ende

Münster. Gestern, am 27. Oktober 2019 ist die Amazonassynode der katholischen Bischöfe in Rom zu Ende gegangen. Dort ging es um ökologische und soziale Fragen in Amazonien und die Reformen, die die Kirche dort angehen muss, um ihrer Aufgaben, sich an der Seite der Menschen dort in ihrem Kampf für die Rechte der Indigenen und der Umwelt einzusetzen, besser gerecht zu werden. „Wir müssen uns dringend mit der grenzenlosen Ausbeutung des „gemeinsamen Hauses“ und seiner Bewohner auseinandersetzen,“ heißt es dazu im Abschlussdokument der Synode. „Dessen Plünderung geht einher mit einem Blutvergießen Unschuldiger und einer Kriminalisierung jener, die das Gebiet verteidigen,“ stellt die Amazonassynode fest und wendet sich somit gegen die Kriminalisierung Sozialer Bewegungen, insbesondere der Klimaschutzbewegung, zu der es in Lateinamerika wie in Europa immer wieder kommt.

Für das Institut für Theologie und Politik (ITP) in Münster, das sich seit über 25 Jahren in Solidarität mit den lateinamerikanischen Bewegungen um die Weiterentwicklung einer befreienden Theologie in Europa bemüht, ist die am Rande der Synode erfolgte Erneuerung des Katakombenpaktes in den Domitilla-Katakomben neben dem Abschlussdokument eine der wichtigsten Früchte der Synode. Bei einer vom ITP veranstalteten Versammlung war dort bereits 2015 von 250 Teilnehmenden, vorwiegend Laien, in Anwesenheit des Unterzeichners des ersten Katakombenpaktes Bischof Luigi Betazzi und von Bischof Erwin Kräutler aus Brasilien der Katakombenpakt von 1965 als „Geburtsstunde“ der Befreiungstheologie und einer Kirche der Armen bereits erneuert und erinnert worden (www.pro-konzil.de).

„Wir freuen uns, dass unsere Bemühungen, den Katakombenpakt durch viele Publikationen und Veranstaltungen dem Vergessen zu entreißen und neu als Basisdokument einer Kirche der Armen im kollektiven Gedächtnis zu verankern, so überraschend auch auf weltkirchlicher Ebene Früchte getragen haben. Wir hoffen, so einen Beitrag zu einer echten Reform der Kirche leisten zu können, die nicht bei der Demokratisierung der internen Strukturen stehen bleiben kann, sondern inhaltlich den Einsatz für das Überleben von Mensch und Natur auf diesem Planeten in den Vordergrund rücken muss, gegen ein kapitalistisches Wirtschaftssystem, das die Erde verwüstet und unsägliches menschliches Leid produziert,“ so der Theologie Dr. Michael Ramminger vom Institut für Theologie und Politik. Mit einer eigenen „Klimasynode von unten“ im Rheinischen Braunkohlerevier am 18. bis 20. Oktober 2019 hatte das ITP die Anliegen der Amazonassynode aufgegriffen und auf die Situation des Braunkohleabbaus und des Konfliktes um den Hambacher Forst und den Einsatz von ChristInnen in diesen Konfliktfeldern bezogen (https://www.itpol.de/klimasynode-von-unten-im-rheinischen-braunkohlerevier-verabschiedet-erklaerung-an-amazonassynode-in-rom/).

Für Rückfragen:
Institut für Theologie und Politik
Friedrich-Ebert-Str. 7 48153 Münster
Tel. 0049/(0)251/524738 Fax: 0049/(0)251/524788
Mail: kontakt[ä}itpol.de Web: www.itpol.de

Conrad Berning gestorben

Gestern, am Freitag, den 25.10. 2019 starb unser guter Freund Conrado Berning. Was soll man sagen, wenn ein guter Freund geht und eine Lücke hinterlässt, die alle schmerzt. Seine Familie, seine Freunde?

Conrad war katholischer Priester, er war Missionar bei den Steyler Missionaren. 1969 erhielt er die Priesterweihe und ging als SVD nach Brasilien. Es war eine Zeit, die sich wohl heutzutage niemand mehr vorstellen kann: Brasilien noch ein riesiger Dschungel und Regenwald, noch war nicht alles abgeholzt und für Soja, Zuckerrohr und Viehzucht gerodet, auch wenn die Militärdiktatur fleißig dabei war.

Die Kirche muss wohl, hört man auf Conrads Erzählungen, einigermaßen vorkonziliar gewesen sein, Sakramentenpastoral, Hauptsache Bekehrungen usw.

Aber Conrad hatte schon hier seine Leidenschaft mit nach Brasilien gebracht: „Es sind Super 8mm-Filmchen, Dick und Doof oder Ähnliches. Mit einem kleinen Stromaggregat und Bettlaken ist auch mitten im Wald schnell ein funktionsfähiges Kino eingerichtet. Film und Fernsehen ist diesen Neusiedlern vollkommen unbekannt, ebenso unbekannt wie die Landung des ersten Astronauten Armstrong auf dem Mond….“, so schreibt er in seinen Memoiren.

Das war eine seiner Leidenschaften: Das Filme-Machen. 1977 erhält er eine Einladung der brasilianischen Bischofskonferenz, eigentlich von Kardinal Ivo Lorscheiter, die Medienarbeit für die brasilianische Bischofskonferenz zu übernehmen, katechetische Diaserien und Filme zu produzieren. Conrado wird zu einer wichtigen Figur in dieser Medienarbeit, die zugleich mit seiner zweiten, unendlich tiefen Leidenschaft verbunden ist: dem Evangelium, der frohen Botschaft für die Armen und einfachen Leute. Conrad war kein Theologe, er war überzeugter Christ. Bis zum Schluss hat er von dieser Zeit der brasilianischen Kirche, der Befreiungstheologie und den Basisgemeinden mit leuchtenden Augen erzählt Vom einfachen Leben der Bischöfe, die so jede Distanz zu den Menschen auf der Straße abgelegt hatten, von den Basisgemeinden und ihrem Kampf gegen Diktatur und Ungerechtigkeit. Conrad war katholischer Priester, aber ihm war jede Form von Klerikalismus, liturgischem Pomp zuwider. Für all diese „Typen“ hatte er immer nur ein schelmisches Lachen über.

Sein filmisches Schaffen umfasste die Dokumentationen der Basisgemeindentreffen, Aktivitäten der Bischofskonferenzen; es entstehen unzählige Dokumentarfilme, meist Kurzfilme in 16mm und drei Langspielfilme für alternative Kinos in 35mm Kinoformat: „Gottes Volk auf dem Weg“ (Pé e fé na caminhada“) über die Befreiungstheologie, „Der schwarze Ring“ (die Bekehrung eines Reichen), und „Ameríndia“ (zum 500-Jahr-Gedenken der falschbenannten „Entdeckung“ Amerikas).

Mit der Kehrtwende der katholischen Kirche in den 80er Jahren verändert sich auch die katholische Kirche in Brasilien. Nicht mehr Befreiungstheologie, Bischöfe an der Seite der Armen machten das Bild der Kirche aus: Massenevangelisierung, Liturgie und traditioneller Klerikalismus bestimmten die Kirche mehr und mehr. Conrads Filme und seine christliche Überzeugung waren nicht mehr gefragt. Und deshalb entschloss er sich, zurück nach Deutschland zu gehen. Er hat darüber nie verbittert, das war nicht seine Art – aber doch mit entschiedenem Urteil gesprochen. So wie er auch über seine Situation hier in Deutschland und die Kirche hier gesprochen hat. Ich möchte ihn noch einmal selbst zu Wort kommen lassen:

Conrad im Sommer mit Paulo Suess, Brigtte und Michael Ramminger und Barbara Imholz

„Mein Verhältnis zur Kirche hier gestaltete sich von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Enttäuschungen wurden zu viele und zu groß. Als „Ex“ und zusammen mit meiner Frau (und zwei Kindern) ist man in der deutschen Kirche im Rahmen der bestehenden Strukturen nicht mehr gefragt. Noch schlimmer: nachdem ich einmal bei einer Firmung als Firmpate aufgetreten und auch zum Kommunionempfang gegangen war, hielt es der zelebrierende Weihbischof aus Münster einige Tage danach, als er mich traf, für angebracht, mich nach meiner genaueren Lebenssituation zu fragen. Er wollte wissen, ob wir kirchlich verheiratet seien. Ich daraufhin: „Nein, das geht ja nicht, ich bin ja Priester“. Es machte ihn stutzig, dass ich nicht den Laisierungsprozess unterschrieben hätte. Als ich ihm sagte, das Theater hätte ich mir nicht antun wollen, weil ich mit Leib und Seele Priester (gewesen) sei, antwortete er, dann könne er mir bei einer nächsten Gelegenheit leider nicht mehr die Kommunion reichen, ebenso auch nicht meiner Frau. Daraufhin antwortete ich nur noch: „In diese Verlegenheit werde ich sie sicher nicht mehr bringen, Herr Bischof, ich kann das auch selber“ -und verabschiedete mich.

Wir haben Conrad, Brigitte und seine Söhne erst vor einigen Jahren im Kontext der Konziliaren Versammlung 2012 kennengelernt. Über die wenigen wichtigen Dinge im Leben waren wir uns immer schnell einig: Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, immer von denen aus auf die Welt blicken, die am wenigsten haben. Sich von den Mächtigen nicht ins Boxhorn jagen lassen. Wir hätten so gerne noch viele Weihnachtsfeiern mit Churassco, Picanha und Glühwein mit ihm erlebt. Er war der Meister des Fleischschneidens, ein Christ, der auch uns im ITP Stärke gegeben hat: mit seiner unerschütterlichen Überzeugung davon, dass Christen an die Seite der Armen gehören, ohne Prunk und Mitra.

Er wird zuerst Brigitte und den beiden Jungs, auf die er so stolz war, fehlen. Er wird auch uns fehlen und doch immer bei uns bleiben.

Hier unsere Predigt am Gedenkgottesdienst für Conrad

Ausnahmezustand in Chile

Immer noch herrscht in Chile Ausnamhezustand. Der Präsident gibt den reuigen Sünder, will aber nicht zurücktreten. Er setzt darauf, dass die Proteste die Menschen ermüden und sie wieder zurück zur Normalität wollen. Sicher 2000 Menschen sind inzwischen verhaftet, mindestens 18 sind ums Leben gekommen. Die Verwüstung des neoliberalen Kapitalismus  ist unsäglich. In dieser Sitautino hat sich Mariano Puga, Arbeiterpriester und moralische Instanz in Chile zu Wort gemeldet. Mariano gehörte schon in den siebziger Jahren zum Umfeld der Christen für den Sozialismus, später war er einer der profiliertesten Kämpfer gegen Menschenrechtsverbrechen, Folter und Diktatur.

Hier sein Wort zu den Auseiandersetzungen, zu den Plünderungen und den Angriffen auf staatliche Einrichtungen wie Metro und Energieunternehmen, Angriffen auf die Konsumtempel wie den Supermärkten:

 

Die Menschen haben das Recht, alles zu zerstören, weil ihnen alles zerstört wurde. Und wir müssen uns fragen: Welche Art von Liebe und Zuneigung haben wir ihnen gegeben?`Welche Art von Zuhause haben wir ihnen gegeben? Welche Zuneigung haben wir ihnen gegeben?

 

Hiob – Marx und die Linke heute. Vom Scheitern und Nichtscheitern

Mittwoch, den 6. November 2019,
19.30 bis 21 Uhr
in der Kollektivkneipe Leo 16
Herwarthstr.7
48143 Münster

Wer kennt es nicht, die leisen Zweifel, ob man nicht vielleicht doch falsch liegt, mit revolutionärer Begeisterung radikale Gesellschaftsveränderung richtig und wichtig zu finden, ja das ganze Leben danach zu richten. Die Zuversicht und den Glauben, dass das richtige Leben für alle kommen wird, haben ChristInnen und KommunistInnen gemeinsam, aber auch ihre kritischen Anfragen. Im Buch Hiob finden wir genau diese Skepsis in radikal existentieller Weise ausformuliert. Zum Gespräch darüber haben wir Dick Boer aus Amsterdam eingeladen, der als evangelischer Pfarrer und Theologe sich in seinem Buch intensiv mit dem Problem des Scheiterns bei Hiob auseinandergesetzt hat.

Und er wird kritisch befragt von einem Kommunisten, Raimund Ernst aus Münster und der Klimaaktivistin Saskia Liese von Ende Gelände. Moderation Carolin Burmester, Interventionistische Linke

Auch für Nichttheolog*innen geeignete Kost.
Eine Kooperationsveranstaltung von ITP und der Interventionistischen Linken (iL) Münster

Ausnahmezustand Chile

Lieber Freund,
mit Trauer und Wut beobachten wir, dass in Chile nach 1973 das Militär wieder auf Menschen in den Strassen schiesst. Präsident Pinera muss sofort den Ausnahmezustand aufheben und zurücktreten. Wir werden die Menschen hier über die antidemokratischen und gewalttätigen Aktionen des Militärs, der Polizei, der Geheimdienste und der Regierung informieren. …

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