Ein Essay von Stefan Leibold, Dr. phil., Soziologe und Theologe, Münster
„Möglicherweise werden sich spätere Generationen fragen, wie der Homo Hygienicus so schnell Raum gewinnen konnte. Das Tempo seiner Gestaltwerdung ist tatsächlich atemberaubend und nur mit dem Aufsetzen auf den kapitalistisch bereits etablierten Homo Oeconomicus zu erklären. Wenn beide letztlich auf den Grundstrukturen der kapitalistischen Lebensweise beruhen, dürfte seine Überwindung nicht einfach sein.“
Der Philosoph Matthias Burchardt hat seit letztem Jahr mehrfach die Entstehung und Durchsetzung eines neuen Sozialtyps konstatiert, des sog. „Homo Hygienicus“. Die Herausbildung dieses Typs hat für ihn einschneidende Konsequenzen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft und verändert das Zusammenleben der Menschen, wie wir es kannten, auf dramatische Weise. Seine entsprechenden Ausführungen scheinen mir ausgesprochen plausibel und außerdem eine ernstzunehmende Herausforderung für die christliche Sozialethik zu sein. Daher möchte ich im Folgenden den Ansatz vorstellen und daran Gedanken zu seiner Bedeutung für die Sozialethik anknüpfen. Burchardt hat sein Konzept in mehreren Videos, einem Podcast und einem kurzen Artikel dargestellt. Diese wiederholen und ergänzen sich z.T., teilweise setzen sie verschiedene Akzente. Ich versuche, seine Positionen und Gedanken zu systematisieren und zusammenfassend zu skizzieren. Mir ist bewusst, dass dadurch eigene Schwerpunktsetzungen und Interpretationen unweigerlich in die Ausführungen mit hinein kommen, hoffe aber, dass ich seinen Grundintentionen gerecht werde. An einigen Stellen führe ich seine Gedankengänge auch weiter.1 Der „Homo Hygienicus“ als Herausforderung christlicher Sozialethik weiterlesen

Vor 100 Jahren schrieb Walter Benjamin sein kleines Textfragment „Kapitalismus als Religion‟. Er dachte darin über die Verschuldungs- und Schuldmechanismen des Kapitalismus nach und stellte die Frage, wieso der Kapitalismus eine solche Beharrungskraft und Zustimmungsfähigkeit entwickeln konnte. Seine Antwort: „Im Kapitalismus ist eine Religion zu erblicken, d.h. der Kapitalismus dient essentiell der Befriedigung derselben Sorgen, Qualen, Unruhen, auf die ehemals die so genannten Religionen Antwort gaben.‟ Obwohl sich Benjamins Perspektive aus den Erfahrung am Vorabend des deutschen Faschismus speist, haben seine Fragen auch die BefreiungstheologInnen bewegt: Wie ist der Kapitalismus beschaffen und wie prägt er unsere gegenwärtige Welt, in welchem Verhältnis stehen Christentum und Kapitalismus und welche Rolle kann die Religionskritik in der Analyse und Kritik des Kapitalismus spielen?
Der Aufstand wurde vom Nationalen Streikkomitee ausgerufen, um die Ablehnung der Steuer-, Gesundheits- und Rentenreformen der Regierung von Ivan Duque zum Ausdruck zu bringen. Diese Reformen wirken sich direkt auf die Lebensbedingungen der mittleren und besonders prekären Bevölkerungsschichten aus. 

Unser neuer halbjährlich erscheinender Rundbrief (Nr. 54) mit inhaltlichen Beträgen zum 100-jährigen Jubiläum des Fragmentes „Kapitalismus als Religion“ von Walter Benjamin, zur Würdigung Franz Hinkelammerts, zur Widerstandspraxis von ChristInnen im Rheinischen Braunkohlerevier und zu unseren aktuellen Auseinandersetzungen mit der feministischen Theologie, ist nun veröffentlicht worden. Er ist abrufbar unter: 
