Am 21. April des letzten Jahres, Ostermontag, lief die Meldung rund um den Erdkreis: Papst Franziskus ist tot!
Viele, auch uns, hat dieser Tod damals mit großer Trauer erfüllt. In diesem Papst aus Lateinamerika, der immer nahe beim Volk und den Armen sein wollte, haben wir einen Verbündeten in vielen Fragen der sozialen Bewegungen und Gerechtigkeit und des Antimilitarismus erkannt. In unserem Nachruf haben wir auf die wichtigen theologischen Punkte seines Pontifikats hingewiesen, die im öffentlichen Diskurs hierzulande sehr oft unter den Tisch fallen, wohl weil weder die liberale noch die reaktionäre Theologie und Kirche sich in ihnen wiederfinden und diese Theologie von ihnen eher als störend empfunden wird.
Ein Jahr später kann man sich fragen: was bleibt von Franziskus übrig?
Sicherlich fällt auf, dass die friedensethischen Positionen sich weiter fortsetzen, quasi nahtlos. Wo Franziskus noch am Tag vor seinem Sterben zu weltweiter Abrüstung und Solidarität gemahnt hat: „Es kann keinen Frieden geben ohne echte Abrüstung! Der Anspruch eines jeden Volkes, für seine eigene Verteidigung zu sorgen, darf nicht zu einem allgemeinen Wettrüsten führen. Das Osterlicht spornt uns an, die Schranken zu überwinden, die Spaltungen hervorrufen und eine Vielzahl an politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen nach sich ziehen. Es spornt uns an, füreinander zu sorgen, die gegenseitige Solidarität zu stärken und uns für eine ganzheitliche Entwicklung aller Menschen einzusetzen.“
Diese Linie greift Papst Leo immer wieder auf und vertieft eine christliche Friedensethik, die den Mächtigen weder Waffen und Legitimierung an die Hand geben will und auf die Überwindung der Gegensätze als Wurzel der Gerechtigkeit und des Friedens hinweist.
Auch die digitalisierungskritischen Töne, die es im Pontifikat von Franziskus immer gab, werden konsequent weitergeführt und von Leo als zentrales Thema und Herausforderung für die Kirche ausgemacht.
Die „Hinwendung zu den Rändern“, die Franziskus so wichtig war, scheint sich ebenfalls zu verstetigen, wenn man die Ziele der ersten Reisen des neuen Papstes ansieht. Allerdings greift die Auseinandersetzung mit den USA mehr um sich und die Konfrontation mit dem US-Imperialismus nimmt mittlerweile größeren Raum ein und wird direkter angesprochen.
Vermisst werden jedoch vielfach die symbolischen Handlungen, die Franziskus immer wieder stark in Szene zu setzen wusste. Vielleicht, weil der Prophet um die große Kraft der Zeichen weiß. Ob es die Verweigerung war, in den apostolischen Palast zu ziehen, die so natürlichen Begegnungen mit einfachen Leuten oder an Gründonnerstag Gefangenen die Füße zu waschen. Um ausdrucksstarke Zeichen war er nie verlegen, woran es Leo vermissen lässt. Inhaltlich gehen viele Punkte weiter, aber die äußere Form ist gediegener geworden.
Das Vermächtnis von Papst Franziskus hängt aber nicht nur am neuen Papst oder am Kurienapparat, der Franziskus in weiten Teilen ohnehin feindlich gesonnen war, sondern an einer verändernden Praxis der Christinnen und Christen, die sich von seinem Beispiel inspirieren lassen. Dass es im Oktober des letzten Jahres ein weiteres Welttreffen der sozialen Bewegungen im Vatikan gab, lässt aufhorchen und kann ein Zeichen in diese Richtung sein.
Während die Welt weiterhin am Abgrund taumelt und immer tiefer in den dritten Weltkrieg in Stücken (auch ein Diktum von Franziskus) versinkt, sind Menschen gefragt, die weiter an einer emanzipatorischen Praxis und Theorie festhalten.
21. April 2026