Archiv der Kategorie: Antimilitarismus

Kritik an der EKD-Friedensdenkschrift

Die Ökumenische Vernetzungsinitiative Casa Comun (ÖVI), in der wir als ITP mitarbeiten, hat am 22. Januar 2026 eine deutliche Kritik der EKD-Denkschrift Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick veröffentlicht.  In der Erklärung fordern Aktive aus der ÖVI stattdessen eine christliche Friedenslogik, die kapitalistischen Ursachen von Konflikten sichtbar macht, Gerechtigkeit ins Zentrum stellt, und Abrüstung vor Sicherheitspolitik setzt. Der Text ruft zu konkreten Aktionen auf: Solidaritätspraxen wie Kirchenasyl zu entwickeln und Ungehorsam gegen die Kriegslogik zu üben.

Der Text ist hier nachlesbar:  Wortmeldung zur EKD-Friedensdenkschrift

Leo XIV.: Der Friede gehört allen oder niemandem

Am 30. Mai 2025 hat sich Papst Leo XIV. mit einer Ansprache an Teile der italienischen Friedensbewegung gewandt. In Zeiten, in denen das Töten und Sterben in Gaza und der Ukraine wie in anderen Teilen der Welt weitergeht und ein Diskurs von Aufrüstung und Militarisierung in unserer Gesellschaft dominiert, ist es ermutigend zu sehen, dass Papst Leo XIV. von Anfang seines Pontifikats an den Kurs von Papst Franziskus fortsetzen möchte und entschieden für friedliche Lösungen, also ein sofortiges Ende der militärischen Gewalt und die Beendigung der Aufrüstungsspirale, eintritt. Besonders freut es uns, dass er ebenso wie sein Vorgänger dabei nicht allein an die Herrschenden der Welt appelliert, sondern auf die Zusammenarbeit mit den Bewegungen von unten setzt und in deren kreativen, entschiedenen Engagements für den Frieden ein Zeichen der Hoffnung erkennt. So fordert er dazu auf, die Logik des Krieges, der nationalen Sicherheit und des Militärs umzudrehen. Dem widersinnigen Spruch, dass wer den Frieden will, für den Krieg rüsten solle, setzt er eine andere Logik entgehen: Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Diesen Text möchten wir hier in deutscher Übersetzung  veröffentlichen:

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Ist christliche Friedensethik im 21. Jahrhundert noch zu gebrauchen?

Der Beitrag von Jan Henrik Röttgers beschäftigt sich mit der Frage, ob die christliche Friedensethik im 21. Jahrhundert noch relevant ist, und analysiert ihre biblischen Wurzeln sowie ihre Entwicklung von der Antike bis heute. Dabei wird deutlich, dass die biblischen Vorstellungen von Frieden (שָלוֹם im Alten Testament und Ειρήνη im Neuen Testament) tief mit Gottes Wirken und Gerechtigkeit verbunden sind, während sich die Kirche im Lauf der Geschichte zunehmend an staatliche Macht und den „gerechten Krieg“ anpasste. Aktuelle Herausforderungen bestehen vor allem in der veränderten Kriegsführung, der Schwäche des Völkerrechts und geopolitischer Konflikte, wobei die Friedensethik heute eher auf Diplomatie, Gewaltverzicht und eine radikale Abkehr von staatlicher Souveränität setzt, um einen dauerhaften Frieden zu fördern. Der Text ist hier abrufbar:

Ist christliche Friedensethik im 21. Jahrhundert noch zu gebrauchen?

Die Kriege des 21. Jahrhunderts

Einige Beobachtungen zur fortschreitenden Technisierung und Schlussfolgerungen zu den politischen und ethischen Konsequenzen

„Alle, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist euch Helfer und Schild“ (Ps 115,11)

Von Jan Henrik Röttgers

Der Artikel ist erschienen in der pax christi-Korrespondenz 01/24.

Seit geraumer Zeit verändern sich die Kriege, die momentan auf dem Planeten stattfinden, massiv in ihrer Art. Oft wird in den Diskussionen über die Rechtfertigung dieses oder jenes Krieges gesprochen, die Ursachen und ob Waffenlieferungen erlaubt sein sollen und welche Seite mehr Recht auf ihrer Seite hat.

Dabei wird aber oft nicht über die Art der Kriegsführung gesprochen, obwohl auch daraus Ableitungen über die Rechtmäßigkeit des Krieges geführt werden können. Dieser Beitrag soll die moderne Kriegsführung des 21. Jahrhunderts in den Blick nehmen und die zugrundeliegenden Annahmen.

Zwei der wesentlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte sind zum einen die massive Ausweitung des Einsatzes von Drohnen in den bewaffneten Konflikten und zum anderen die zunehmende Digitalisierung des Krieges, die bereits den Cyberraum als ein neues Gefechtsfeld ausgemacht hat, und in dieser Linie der ausgeweitete Einsatz Künstlicher Intelligenz. Diese Entwicklungen sollen an dieser Stelle im Fokus stehen und näher untersucht werden. Die Kriege des 21. Jahrhunderts weiterlesen

Gegen Rechts aber für Aufrüstung?

Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung Ende Februar 2024 in Augsburg haben die katholischen Bischöfe Deutschlands zum Thema Demokratie und Frieden Stellung bezogen. Sie veröffentlichten eine Erklärung mit dem Titel: „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“. Damit haben sich die Bischöfe tatsächlich weiter aus dem Fenster gelehnt, als wir es in den letzten Jahren gewohnt waren. Sie haben die Vielzahl der Krisen benannt, völkischen Nationalismus klar und deutlich verurteilt und sie haben die Notwendigkeit einer Gemeinwohlorientierung unterstrichen. Das sind alles Perspektiven, die bei den deutschen Bischöfen in den letzten Jahren nicht im Vordergrund standen. Zugleich bleibt das Statement – ganz ohne damit zu überraschen – auf regierungsnaher Linie: Es identifiziert vor allem die AfD als gesellschaftliches Hauptproblem. Doch es ist es ja nicht nur die AfD, die an beunruhigender Relevanz gewonnen hat. Auch in den sogenannten etablierten Parteien haben sich problematische Positionen stark gemacht. Die CDU will mit ihrem Grundsatzprogramm massive Grundrechtseinschränkungen für Geflüchtete einführen, wie beispielsweise Asylverfahren in Drittstaaten, was eine massive Entrechtung zur Folge hätte. Bundeskanzler Scholz hat in Der Spiegel ebenfalls sehr deutlich gesagt: „Wir müssen mehr abschieben.“ Das sind Positionen, für die gar nicht die AfD notwendig ist. Die gegenwärtige Entrechtungspolitik wird bereits jetzt in Gesetze gegossen. So wurde vor kurzem erst noch das Rückführungsverbesserungsgesetz mit einer massiven Aushebelung von Grundrechten für Geflüchtete eingeführt – und das eben nicht von einer AfD-Regierung. In einer notwendigen Analyse dieser Probleme greift dieses Bischofsspapier zu kurz, wenn es sich im Wesentlichen auf die AfD bezieht. Gegen Rechts aber für Aufrüstung? weiterlesen

Zwischenruf im Advent

Kriegstüchtigkeit – die selbstbewusste Form des Wahnsinns

Adventlicher Kommentar von Kuno Füssel

Ein deutscher Kriegsminister posaunt es vollmundig in die Welt, dass Deutschland endlich wieder werden muss, was es immer schon sein wollte und doch nie richtig beherrschte: kriegstüchtig werden. Zynismus und Dummheit lassen vergessen, was Krieg ist und war und bleibt. Zwischenruf im Advent weiterlesen

Broschüre „Es gibt nur eine Zeitenwende. Kleine theologische Anstöße“

„Es gibt nur eine Zeitenwende und das ist die Geburt des Messias. Wer das nicht begriffen hat, hat von der Weltgeschichte gar nichts begriffen!“

Dieser Satz von Renate Wind, wenige Wochen vor ihrem Tod am 9. Januar 2023, hat uns inspiriert, dem gegenwärtigen Diskurs zur Zeitenwende eine theologische Kritik entgegenzustellen.

In der kleinen Broschüre im DIN-A-6-Format kontrastieren wir die von den Regierenden vertretene Vorstellung von Zeitenwende mit Zitaten, die eine emanzipatorische und politisch-theologische Perspektive eröffnen. So wollen wir eine Selbstvergewisserung und eine klarere Sicht schaffen auf die herrschenden Verhältnisse und ihre vermeintlichen Sachzwänge und imperialen Logiken.

Die Broschüre kann bei uns gerne bestellt werden:
1 Ex. = 0,50 €, 25 Ex. = 10,00 €, 50 Ex. = 15,00 €, zuzüglich Versandkosten
Wir verweisen in diesem Zusammenhang gerne auch auf unseren Text „Krieg und Zeitenwende aus befreiungstheologischer-Perspektive“, der hier heruntergeladen werden kann.

„Frieden gibt es nicht auf dem Weg der Sicherheit“ (D. Bonhoeffer)

Wie der globale Süden den Krieg sieht und warum die Militarisierung der Politik keine Lösung ist

Podium aus Anlass des evangelischen Kirchentages in Nürnberg mit Rita Segato (Argentinien), Sandiswa Lerato Kobe (Südafrika), Michael Ramminger (ITP)

Freitag, 9. Juni 2023 um 19 Uhr

Angesichts des Krieges in der Ukraine hat Bundeskanzler Scholz von der Notwendigkeit einer „Zeitenwende“ gesprochen. Wir sehen darin eine Abkehr von einem friedenspolitischen Denken, dass Kriege als Mittel der Politik ablehnt und für zivile Möglichkeiten der Konfliktlösung eintritt.

In der Selbstdarstellung der westlichen Staaten als Verteidiger*innen der Menschenrechte erkennen wir auch eine Verschleierung der geostrategischen Interessen, die durchgesetzt werden wollen. Wir sind der festen Überzeugung, dass auf dem Wege der militärischen Verteidigung nationaler Interessen keine friedliche und gerechte Weltordnung zu erreichen ist, sondern diese nur durch internationale Dialogbemühungen, Demilitarisierung und grundlegende Veränderungen der ungerechten globalen Wirtschaftsordnung erreicht werden kann.

Daher wollen wir anlässlich des Kirchentages in Nürnberg mit Vertreter*innen aus dem globalen Süden darüber diskutieren, was heute Voraussetzungen einer gerechten und friedlichen Weltordnung wären. „Frieden gibt es nicht auf dem Weg der Sicherheit“ (D. Bonhoeffer) weiterlesen

Rundbrief 58 erschienen

Unser halbjährlicher Rundbrief ist erschienen. Die Artikel sind zu folgenden Themen: 1.) Eine politisch-theologische Kritik der Zeitenwende, 2.) ein Beitrag zu globalen Perspektiven auf die gegenwärtige Weltordnung, 3.) eine Erinnerung an 50 Jahre Putsch in Chile und die christliche Solidaritätsbewegung und 4.) eine bildungstheoretische Reflexion über die Deformation der Subjekte im digitalen Neoliberalismus.

Download hier: Rundbrief 58

Der Rundbrief kann auch in größerer Anzahl bei uns in der Print-Version kostenlos bestellt werden. Wer unseren Rundbrief noch nicht im Abo zugeschickt bekommt, kann uns gerne die Anschrift per Mail mitteilen.

Wir freuen uns über eine kritisch-interessierte LeserInnenschaft.

Jeder hat das Recht auf Empörung … lieber Herr Prof. Halík,

Antwort auf den Prager Theologen und Philosophen Prof. Tomáš Halík und seine Polemik gegen die Friedensdemonstration in Berlin vom 25.02.2023:

Jeder hat das Recht auf Empörung lieber Herr Prof. Halík, aber christliche PazifistInnen als nützliche Idioten zu diffamieren, ist absolut inakzeptabel. Eine solche Rede zeugt von einem Freund-Feind-Denken und von einem Bellizismus, der seit einem Jahr schon nicht in der Lage ist, diesen grausamen Krieg zu beenden. Immer mehr Waffen türmen sich auf, immer mehr Menschen sterben. Jeder hat das Recht auf Empörung … lieber Herr Prof. Halík, weiterlesen