Viele, die mit dem ITP verbunden sind, wisssen wie stark unsere Beziehungen zu Chile sind. Sie reichen bis indie Zeit des Widerstands gegen die Diktatur von Pinochet zurück, und ha en mit den Aufständen von 2019 nicht geendet. Deshalb freuen wir uns über den folgenden Text aus Chile, der am Tag des Putsches an die Unidad Popular erinnert!
Liebe Genossinnen und Genossen:

Der heutige 11. September ist ein bedeutsamer Tag, einer von jenen, die die Geschichte mit Blut und Feuer prägt. Ein Tag, der uns dazu einlädt, uns zu erinnern, aber auch Fragen zu stellen, nachzudenken und nach vorne zu blicken.
Wir dürfen nicht vergessen. Und wir dürfen den Kampf auch nicht aufgeben.
Die „Cordones Industriales“, Ausdruck der Organisation, Solidarität und des Klassenbewusstseins der Arbeiterinnen und Arbeiter, haben uns eine historische Erfahrung vor Augen geführt, die es nach wie vor verdient, in ihrer ganzen Tiefe untersucht, diskutiert und verstanden zu werden. Dort gab es Arbeiterinnen und Arbeiter, die nicht nur ihre Arbeitsplätze verteidigten: Sie versuchten, eine andere Form der Gesellschaftsorganisation aufzubauen – von unten, aus den Regionen heraus und auf der Grundlage der Einheit der Produzierenden.
Und es bleibt eine Frage, die uns die Geschichte nach wie vor zwingt zu stellen:
War der Sieg möglich?
Vielleicht werden wir nie eine endgültige Antwort darauf erhalten. Aber wir haben die Verantwortung, diese Erfahrung zu untersuchen – ihre Erfolge, ihre Fehler, ihre Stärken und ihre Widersprüche. Denn sich zu erinnern bedeutet nicht, zu idealisieren; sich zu erinnern bedeutet, zu lernen.
Heute, im Gedenken an diejenigen, die gekämpft und sogar ihr Leben für eine Welt geopfert haben, von der sie träumten, dass sie gerechter, würdiger und solidarischer sei, ist es unsere Pflicht, die Flamme ihrer Ideale am Leben zu erhalten.
Wie es im Evangelium heißt:
„Selig sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie werden gesättigt werden.“
Matthäus 5,6

Und die alte griechische Weisheit „Μνήμη“ (Mnḗmē) – das Gedächtnis – erinnert uns daran, dass ein Volk, das sein Gedächtnis verliert, Gefahr läuft, auch den Sinn seines Weges zu verlieren.
Eine brüderliche Umarmung, voller Anerkennung, Respekt und Bewunderung für alle, die für eine bessere Welt gekämpft haben; für diejenigen, die Widerstand leisteten, die träumten und die einen viel zu hohen Preis für ihre Überzeugungen gezahlt haben.
Und auch eine Umarmung an diejenigen unter uns, die in unserer heutigen Zeit versuchen, dieses Erbe fortzuführen – nicht aus Nostalgie, sondern aus der Überzeugung heraus, dass Würde, Gerechtigkeit und die Organisation der Arbeiterinnen und Arbeiter nach wie vor zutiefst aktuelle Anliegen sind.
Möge das Gedächtnis nicht nur Erinnerung sein.
Möge es Bewusstsein sein.
Möge das Bewusstsein zu Organisation werden.
Und möge die Organisation niemals die Hoffnung aufgeben.
Eine geschwisterliche Umarmung an alle!!