Zwischen Staub und Spektakel
Ein Beitrag von Evaristo Villar
Der Aschermittwoch kehrt jedes Jahr mit einer einfachen, seit Jahrhunderten wiederholten Geste in den Kalender zurück: einem Aschekreuz auf der Stirn und einem Satz, der an die Sterblichkeit erinnert: „Du bist Staub und wirst zu Staub werden”. Traditionell fungiert er als Auftakt zur Fastenzeit, einer Zeit der Vorbereitung, Zurückhaltung und persönlichen Besinnung vor Ostern. Allerdings findet er nicht mehr in einer homogen gläubigen Gesellschaft oder einem gemeinsamen kulturellen Rahmen statt. Heute ist er weniger ein liturgischer Termin als vielmehr ein soziales Phänomen, bei dem tiefe Spannungen über den Sinn, die Identität und den Platz des Religiösen im öffentlichen Raum zutage treten. Aschermittwoch weiterlesen

Nicht viele werden seinen Namen kennen, noch weniger hier in Deutschland werden ihn gekannt haben: Antônio Canuto. Als ehemaliger Priester in São Félix do Araguaia in Brasilien war er der rechte (und linke) Arm von Bischof Pedro Casaldaliga. Er war vielen ein großartiger Weggefährte, ein radikaler Franziskaner. Er war nicht nur der ehemalige Generalsekretärs der Landpastoralkommission der brasilianischen Bischofskonferenz, er war lange Jahre das Gesicht der CPT und deshalb irgendwie auch der legendären brasilianischen Landlosenbewegung MST. Antônio Canuto gehörte zu jener Generation, die dem Christentum Glaubwürdigkeit verschafft haben. Er kam aus Rio Grande do Sul in den mittleren Westen Brasiliens, um sein Leben den Armen und der sozialen Gerechtigkeit zu widmen: Nun ist er gestorben. Wir werden ihn sehr vermissen.