Dom Pedro ist gegangen

Quelle: https://www.claretiner.org/pers%C3%B6nlichkeiten/bischof-pedro-casald%C3%A1liga/

Gestern ist der brasilianische Bischof Dom Pedro Casaldáliga nach langer Krankheit im Alter von zweiundneunzig Jahren gestorben. Für diejenigen, denen sein Name nichts sagt: Dom Pedro war eine der wichtigsten Figuren der brasilianischen Kirche und Befreiungstheologie seit der Militärdiktatur. Er hat die brasilianische Bischofskonferenz wesentlich mitgeprägt, den Indianermissionsrat zur Verteidigung der indigenen Völker mitgegründet; er war überzeugter Freund der Landlosenbewegung MST, er hat die Basisgemeindenbewegung unterstützt und an ihren jährlichen Wallfahrten teilgenommen, auch als er wegen seiner Parkinsonkrankheit eigentlich schon gar nicht mehr selbst gehen und sprechen konnte. Der spanischgebürtige Dom Pedro war selbstloser und unbedingter Verteidiger der Menschenrechte, er war Bischof, Politiker im besten Sinne, Dichter – und er war überzeugter Sozialist!

Aber all das beschreibt ihn nur oberflächlich und unzulänglich. Dieser kleine, unscheinbare Mann war für mich vor allem auch Mystiker; er war Heiliger einer Kirche der Gerechtigkeit, der Einfachheit und der Unbedingtheit. Dom Pedro lebte über fünfzig Jahre in São Félix do Araguaia, weit weg von São Paulo, Rio oder Brasilia, weit weg von den Zentren der Macht, aber dort, wo die Macht noch heute vom Großgrundbesitz und den „Pistoleros“ bestimmt wird. Als ich ihn vor einigen Jahren dort besuchte, musste ich einen stundenlangen Umweg über Sandpisten machen, weil die Hauptstraße wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Indigenas und Bauern um deren Land gesperrt war.

Dom Pedro selbst wohnte in einem kleinen Haus, zu allen Seiten hin offen, und nicht wie man in Brasilien oft sehen kann, mit meterhohen Zäunen gesichert. Sehr zum Verdruss seiner Freunde, die ihn immer vor Morddrohungen schützen mussten. Wer auch immer ihn besuchte, konnte auf ein offenes Haus und Gastfreundschaft hoffen, auf die Begegnung mit einem Mann unbedingten Glaubens, und einer Bescheidenheit, der allein durch seine Präsenz einen Glaubensmut und die Freude an der Verankerung in christlicher Nachfolge verbreitete, die jeden Besucher selbst an dieser Freude und an diesem Glauben teilhaben ließ. Hätte die bundesdeutsche Kirche doch nur einen solchen!

Pressemitteilung: Kriminalisierung des Kirchenasyls

+++Pressemitteilung des Instituts für Theologie und Politik Münster, 5. August 2020+++

Kriminalisierung des Kirchenasyls_Pressemitteilung ITP_05_08_2020

Kriminalisierung des Kirchenasyls

Äbtissin Mutter Mechthild Thürmer braucht dringend kirchliche Rückendeckung für ihre Menschenrechtspraxis

Münster. Äbtissin Mutter Mechthild Thürmer aus der bayerischen Benediktinerinnenabtei Maria Frieden wird wegen der Gewährung von Kirchenasyl derzeit massiv unter Druck gesetzt und das Amtsgericht Bamberg droht ihr mit einer Gefängnisstrafe (Domradio berichtet). Von kirchlicher Seite gibt es bisher leider nur wenig Stimmen, die sich hinter Mutter Mechthild stellen und das Instrument des Kirchenasyls öffentlich verteidigen. So äußerte sich bereits Kurienkardinal Michael Czerny lobend über das Verhalten von Mutter Mechthild (katholisch.de vom 31.7.20). Auch der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, Pater Claus Pfuff, stellte sich hinter Mutter Mechthild und hat gewünscht, dass auch von offizieller Seite in den Kirchen deutliche Worte zu diesem Fall kommen müssten, da es sich hier um eine neue Eskalationsstufe staatlicherseits handle. Pressemitteilung: Kriminalisierung des Kirchenasyls weiterlesen

Neu erschienen: Hoffnung praktisch werden lassen

„Hoffnung praktisch werden lassen. Befreiungstheologische Interventionen“ ist als Best-Of der Rundbrieftexte des Instituts für Theologie und Politik ein Kompendium von 26 Jahren befreiungstheologischen Denkens. Die Auswahl zeigt die Entwicklung, die Brüche und die Kontiuitäten der Befreiungstheologie seit 1994 bis heute.

 

Christliche Existenz bedeutet, Hoffnung praktisch werden zu lassen. Sie bedeutet, der Hoffnung auf den Gott der Lebenden und der Toten Konsequenzen folgen zu lassen. Christliche Theologie ließe sich entsprechend als eine „Apologie der Hoffnung“ charakterisieren. Eine solche Theologie reflektiert nicht nur die christlichen Begriffe, Motivationen oder Handlungsweisen, sondern sie formuliert eine konkrete Hoffnung sowie den Grund dieser Hoffnung in eine Situation hinein, die von Leiden, Kämpfen und Widersprüchen geprägt ist. Sie weist auf die Möglichkeit der vermeintlichen Unmöglichkeit hin, auf die bereits geschehenen und die noch einlösbaren Unterbrechungen.

Mit Beiträgen von Norbert Arntz, Fernando Castillo, Nancy Cardoso Pereira, Kuno Füssel, Franz Hinkelammert, Barbara Imholz, Michael Ramminger, Jon Sobrino, Paulo Suess, Elsa Tamez u.a.

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In Memoriam Professor Heinrich Fink

Der ehemalige Rektor der Humboldt-Universität in Berlin, Heinrich Fink, ist am 1. Juli 2020 nach kurzer Krankheit im engeren Kreis seiner Familie in Berlin gestorben.

Wir haben einen nahen Freund, bekennenden Christen, anerkannten Wissenschaftler und mutigen Antifaschisten verloren. Die Nachrufe werden sich lange reihen und auf die vielen Ebenen eines erfüllten und beispielhaften Lebens eingehen. Gerade deswegen dürfen wir vom Institut für Theologie und Politik in Münster uns darauf beschränken, kurz drei für uns wesentliche Aspekte hervorzuheben: a) Seine lebenslange Präsenz als liebenswürdiger und charmanter Gastgeber, privat wie auch als Vertreter von Institutionen und Moderator von Veranstaltungen; b) sein vorbildliches Zeugnis als bekennender Christ und kluger, weitblickender Theologe, der die versöhnende und befreiende Kraft des Evangeliums als Basis gesellschaftlichen Handelns einforderte ; c) sein in der Tradition der Barmer Erklärung und der bekennenden Kirche stehender überzeugender und wortmächtiger Antifaschismus. In Memoriam Professor Heinrich Fink weiterlesen

Neu erschienen: Ereignis, Freiheit, Transzendenz mit Alain Badiou

Im Edition ITP-Kompass haben Philipp Geitzhaus und Michael Ramminger das Buch „Ereignis, Freiheit, Transzendenz. Auseinandersetzungen mit Alain Badiou“ herausgegeben.

„Was ist die Gestalt unserer Welt? Auf der einen Seite haben wir die ständige Erweiterung der Automatismen des Kapitals, mit der sich die brilliante Vorhersage von Marx erfüllt hat: die Konfiguration der Welt als Weltmarkt. Es ist eine Gestalt der abstrakten Homogenisierung. … Auf der anderen Seite haben wir einen Prozess der Fragmentierung in geschlossene Identitäten.“ So eröffnet Alain Badiou seinen Beitrag in diesem Buch. In dieser Welt an der Möglichkeit von Wahrheit, Universalität und der Rede vom Subjekt festzuhalten, ist eine Kampfansage an die Beliebigkeit, an die Resignation vor der Möglichkeit vom „wahren Leben“ sprechen zu können, wie Badiou zustimmend Rimbaud zitiert.

Die in diesem Buch Versammelten sind über die Interpretation zu „Paulus als dem Begründer des Universalismus“ auf den atheistischen Genossen Alain Badiou gestoßen. Aus ganz unterschiedlichen Denktraditionen kommend, beschäftigen sie sich mit den philosophischen und theologischen, also theoretischen Voraussetzungen von Möglichkeiten emanzipatorischer Politik. Mit den Worten Badious: mit der Möglichkeit, AktivistInnen der Wahrheit zu werden.

Mit Alain Badiou, Michael Ramminger, Philipp Geitzhaus, Thomas Rudhof-Seibert, Andreas Hellgermann, Kuno Füssel und Julia Lis.

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Petition: Kirche im Dorf lassen

Keine Entwidmung der Kirchen in der Rheinischen Braunkohleregion

Petition gestartet

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“, in der wir als ITP mitarbeiten, reagiert nun mit einer Unterschriften-Petition auf die zunehmende Bedrohung der Dörfer am Rand des Tagebau Garzweiler durch den Braunkohleabbau. Der Braunkohlebagger steht 200 m vor Erkelenz-Keyenberg und RWE nutzt die Corona-Krise, um weiter Fakten zu schaffen, indem der Abriss der Dörfer vorangetrieben wird. Gerade in dieser Situation brauchen Menschen die Kirche an ihrer Seite. Aber die Kirchen von Keyenberg und Kuckum sowie die Kapelle in Berverath wurden bereits an RWE verkauft. Dies geschah gegen den erklärten Willen Tausender, die den Erhalt der Kirchen wollten. Jetzt drohen Schließung, Entwidmung und Abriss. Petition: Kirche im Dorf lassen weiterlesen

Neu: Künstliche Intelligenz oder kritische Vernunft

Das Buch „Künstliche Intelligenz oder kritische Vernunft. Wie Denken und Lernen durch die Digitalisierung grundlegend verändert werden“ vom AK Religionslehrer_innen im ITP ist neu im Edition ITP-Kompass erschienen.

Die Digitalisierung von Bildungsprozessen ist in vollem Gange. Und sie erscheint notwendiger denn je. Aber das bedeutet nicht, dass man sich dieser Digitalisierung ausliefern muss. Schon gar nicht, wenn Bildung ihren emanzipatorischen Kern nicht aufgeben will. Für den neoliberalen globalen Kapitalismus scheint das digitale Subjekt als Idealvorstellung am Horizont auf. Für eine befreiende Pädagogik darf das nicht so sein.

Was ist zu tun und was müssen wir vor allem verstehen, wenn wir uns diesen Prozessen nicht widerstandslos unterwerfen wollen?

Leseprobe: Künstliche Intelligenz 2020 Leseprobe

AK Religionslehrer_innen im ITP
Künstliche Intelligenz oder kritische Vernunft
Wie Denken und Lernen durch die Digitalisierung grundlegend verändert werden
Edition ITP-Kompass Bd. 31, Münster 2020, 148 Seiten, 13 Euro.
ISBN: 978-3-9818-454-5

Hier geht es zum Verlagsprogramm des Edition ITP-Kompass.

Wachszins-Fahrradwallfahrt am Hambacher Forst

Was der Heilige Arnold von Arnoldsweiler mit radikalem Klimaschutz und kollektivem Eigentum zu tun hat

Am Pfingstdienstag, den 2. Juni 2020, fand im Rheinischen Braunkohlerevier am Hambacher Forst die Wachszins-Fahrradwallfahrt von Buir nach Arnoldsweiler statt, zu der die Initiativen „Waldspaziergang Hambacher Wald“, „Kirche(n) im Dorf lassen“, „Alle Dörfer bleiben“, der Katholikenrat Düren und das Institut für Theologie und Politik aufgerufen hatten. Über 60 PilgerInnen beteiligten sich und ließen so die 640 Jahre alte Tradition wieder zum Leben erwachen. Wachszins-Fahrradwallfahrt am Hambacher Forst weiterlesen

PM: Pressefreiheit in Gefahr

Protestaktion von Klimaaktivist*innen „Datteln 4 versenken“

+++Pressemitteilung vom 28. Mai 2020+++

Pressefreiheit in Gefahr – Repression in Datteln gegen Journalisten

Das Institut für Theologie und Politik erklärt sich solidarisch mit dem Fotojournalisten Björn Kietzmann

Münster. Das Vorgehen der Polizei im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Inbetriebnahme des neuen Kohlekraftwerkes Datteln IV nimmt immer bizzarere Züge an. Betroffen ist nun auch ein Journalist, der als Berichterstatter der Aktion von Ende Gelände am 2. Februar 2020 vor Ort war. Der Fotograf Björn Kietzmann hatte die Besetzung des Kraftwerkes dokumentiert und daraufhin das Werksgelände verlassen. Nun wurde ihm auf Betreiben der Kraftwerksfirma ein Strafbefehl über 900 Euro wegen Hausfriedensbruchs ausgestellt. Außerdem bekam er befristet bis Mitte August ein Betretungs- und Aufenthaltsverbot für das Kraftwerksgelände. Gegen den Strafbefehl und das Betretungsverbot wehrt sich Björn Kietzmann nun gerichtlich. Siehe hierzu den Artikel „Datteln IV und der Journalist als Störer“ (https://mmm.verdi.de/beruf/datteln-iv-und-der-journalist-als-stoerer-66379). PM: Pressefreiheit in Gefahr weiterlesen

Gottesdienst an der Tagebau-Kante am Samstag, 16. Mai um 17:00 Uhr in Keyenberg

Der Kohlebagger von RWE steht 200m entfernt des rheinischen Dorfes Keyenberg. Während das Land unter Corona still steht, gräbt der Energiekonzern weiter an das Dorf heran. In dieser Situation akuter Bedrohung lädt die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen” (https://www.kirchen-im-dorf-lassen.de/) – in Zusammenarbeit mit dem ITP und mit Unterstützung des ev. Kirchenkreises Jülich, des Katholikenrats Düren und des Bündnisses „Alle Dörfer bleiben” – zu einem Gottesdienst „an der Kante” ein am Samstag, 16. Mai um 17:00 in Keyenberg, Borschemicher Str. 32.

Thema des Gottesdienstes ist der Schutz des Dorfes, seiner Menschen und nicht zuletzt seiner Kirche. Die für 2023 geplante Zerstörung Keyenbergs ist Teil noch viel größerer, weltweiter Zerstörung. Der Gottesdienst will daher einen explizit christlichen Blick auf die Beziehung von Menschen und „Mitwelt“ werfen. Er thematisiert die Schöpfung als Geschenk Gottes – ihre Bewahrung als Aufgabe und Herausforderung für alle ChristInnen, ihre Zerstörung als Zurückweisung göttlicher Fürsorge, als Bruch des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Und nicht zuletzt will er Hoffnung machen: Auf eine Welt, die nach Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung strebt, eine Welt, die erste Schritte macht auf dem Weg zum Reich Gottes auf Erden.

Hoffnung praktisch werden lassen, so verstehen wir Christentum